Island – 18.09. / 09.10.2021


Betula nana
Zwerg-Birke, Polar-Birke


Betula pubescens
Moorbirke


Sorbus acuparia
Eberesche, Vogelbeere











Salix



Salix







Arctostaphylos uva-ursi
Echte Bärentraube



Empetrum nigrum
Schwarze Krähenbeere



Heidelbeere



Urlaubs-Impressionen

 



 


Währung


Flagge

 

 


Hakarl-Bitar – fermentierter Grönlandhai


Trockenfisch


Lachs

 


Laktrize






 

 







 

 

Tag 1  -  Samstag, 18.09.2021

 


Direktflug ab Berlin – 3 Stunden, 50 Minuten







 

Pünktlich 9.30 Uhr starten wir mit dem Auto von Eschdorf zum neuen Berliner Flughafen. Ohne großen Stau kamen wir nach 2 Stunden auf dem Parkplatz (Dein Stellplatz) an. Ein Shuttlebus brachte uns zum Flughafen, allerdings schon mit 20-minütigerVerspätung.

Wir wurden auf dem Flughafengelände auf einem riesigen Vorplatz abgesetzt. Weit und breit war kein Transportwagen für Mikes Rucksack zu erspähen. Ich hatte diesmal einen Rollkoffer dabei, damit ich nicht so schwer schleppen musste. Wenn ich mich aber so umsah, fast 95 % aller Reisenden hatten einen Rollkoffer. Kommt der Rucksack aus der Mode?

Wir mussten zum Terminal 1 zur Gepäckabfertigung 4. 12.50 Uhr, bis zu unserem Abflug 14.15 Uhr war eigentlich noch genügend Zeit. Eine riesige Warteschlange zwängte sich durch die Absperrbänder und wir stellten uns artig hinten an. Die Schlange rückte im Schneckentempo. Ganze zwei Schalter waren nur geöffnet. Alle Reisenden waren langsam genervt, dass es einfach nicht schneller vorrangeht. Immer gab es welche, bei denen das Gepäck war zu schwer war oder der Pass nicht stimmte. Oder sie hatte das wichtigste Dokument, den Corona Test, vergessen.

Es rückte einfach nichts mehr. Und dann gab es noch ganz Dreiste: Zwei junge Touristen stellten sich ganz vorne vor die Schalter und nutzten einfach die nächste Möglichkeit zum Einchecken. Mich regte auf, dass keiner was sagte. Dann wurden fünf Premium-Reisende (möglicherweise eine mir unbekannte Isländische Hottentotten-Band) vorab abgefertigt. Und wir standen immer noch in der Reihe zwischen den Bändern und die Uhr machte Tick-Tack, Tick-Tack. 13.45Uhr, langsam bekam ich Panik. Bis zum geplanten Abflug war es doch kaum noch zu schaffen. Wir mussten doch noch zum Sicherheitscheck fürs Handgepäck.

Leicht entnervt waren wir dann endlich eingecheckt, unser Gepäck rutschte auf den Bändern zum Flugzeug. Wir rannten zur Sicherheitskontrolle. Ein Mitstreiter winkte uns noch vor, an den Anfang der Schlange. Schnell legten wir unser Handgepäck in die bereitgestellten Kisten und hofften auf schnelle Abfertigung. Doch wir hatten nicht mit dem Abfertigungspersonal gerechnet. Wir signalisierten ihnen, dass unser Flug in wenigen Minuten startet. Na das war der ganz falsche Ton. „Das interessiert mich überhaupt nicht, jetzt sind Sie erst einmal hier!“ wurde uns daraufhin uns entgegnet. Ein Tolles Klima…. Unsere Nerven lagen blank. Wir wurden geröntgt und durchleuchtet, abgetastet und durchsucht. Tick-Tack, Tick-Tack.

Doch plötzlich drehte sich kein Rad mehr. Alles stand still und auf ROT! ALARM! Auf dem Band lag Mikes Rucksack! Ein recht beleibter Sicherheitsbeamter saß vor dem Monitor, verschränkte die Arme und meinte: „Jetzt geht hier nichts mehr“. Der verdächtige Gegenstand im Rucksack löste Bombenalarm aus. Wir wurden beiseite genommen. Sicherheitsmänner und Polizei umringten uns sofort und starten alle auf das Röntgenbild. Im Rucksack wurde ein verdächtiger Gegenstand entlarvt, ein Kistchen mit unbekanntem Inhalt. Höchste Warnstufe, und an diesem Abfertigungsband sahen alle rot. Bei Mike wurde ein Bombentest durchgeführt. Ein Polizist nahm auf einem knittrigen Zettel unsere Daten auf. Und wir wurden zum Inhalt des Rucksackes befragt.

Wir vermuteten die Festplatte oder die Powerbank. Mike bot sich an, den Rucksack selbst zu öffnen. Da ging aber kein Weg rein, es war ja Alarm.

Wir sahen unseren Flieger schon abfliegen, und das machte uns ganz schön wütend. So einen Start in den Urlaub hatten wir uns nicht vorgestellt.

Dann meinte ein Herr vom Personal noch süffisant, „dass man ja schließlich auch 3 Stunde vor Abflug auf dem Flughafen zu sein hätte!“ Berlin ist eben anders als der Rest der Welt.

Nun platzte uns fast der Kragen. Wir waren völlig unschuldig in diese enge Zeitschleife geraten und werden jetzt bestraft dafür. Mit uns bangten auch noch die anderen betroffenen Reisenden, manche ohne Schuhe und mit rutschenden Hosen, auf ihre Flüge.

Nach einer halben Stunde lüftete sich das Geheimnis des Kästchens. Es wurde dann doch einfach geöffnet. Und was befand sich in dem Alukistchen? Eine einfache Stirnlampe, geschützt vor Stoß und Regen.

Schnell ließ das Interesse an uns nach. Wir bekamen unser restliches Gepäck und durften noch auf unseren Flug hoffen.

Wir rannten so schnell wie wir konnten zum Gate B3, durch duftende Parfümläden und unnütze Souvenirstände. …. und wir hatten Glück. Das Gate hatte noch 2 Minuten geöffnet. Allerdings mussten wir uns vom Steward die Frage anhören, weshalb wir so spät kommen. Mike behielt die Faust in der Tasche. Völlig abgehetzt stürmten wir den Flieger. Beifall! ALLE Fluggäste schauten uns zum Teil erfreut, belächelnd oder auch böse an. Das Flugzeug hatte über 40 Minuten Verspätung, und die Anschlussflüge warten nicht. Viele nutzten den Flughafen Reykjaviks zum Weiterflug nach Kanada.

Wir waren wirklich die letzten! „Boarding komplett!“ hörte ich noch die Ansage. Wir schoben uns verstohlen zu unseren Sitzen, doch ein Vater mit seiner kleinen Tochter hatte es sich da schon bequem gemacht. Wir rutschten hin und her, bis jeder dann seinen Platz hatte.

Ich hätte meine Traurigkeit nicht in Worte fassen können, wenn wir diesen Flug nicht geschafft hätten. Doch wie immer gab es eben ein Happy End.

3,50h Flugzeit stand uns bevor, mit Movie-Angeboten, aber ohne Kopfhörer. Ein Erfrischungsgetränk stand uns zu und mehr nicht. Und … immer schön die Maske über die Nase! Mike wurde sogar unsanft von der Stewardess geweckt, damit er die verrutschte Maske über seine Nase bitte zieht. Na da war aber ein Fluggast stinkesauer….!

Auch ich fand während des Fluges kaum Schlaf und versuchte die Zeit mit Stummfilm-Kino zu überbrücken.

Wir kamen natürlich verspätet in Keflavik (KEF) an, erst gegen 15.50 Uhr. Doch bekamen wir in Island 2 Stunden Zeitverschiebung geschenkt.

Wir ließen alle eiligen Weiterflieger vor uns raus, denn wir hatten unser Ziel erreicht – ISLAND!

Die Insel empfing uns mit Regen, typischer Landregen, wie ich ihn mir auch so vorgestellte hatte. Nicht zu stark und mit etwas Wind und auch nicht zu kalt. Wir liefen gemütlich zum Terminal des modernen Flughafens. Unser Gepäck drehte schon auf dem Abfertigungsband einsam ein paar Runden.

Nun die nächste Hürde. Ein CORONA-Barcode wurde am Ausgang abverlangt, den wir natürlich noch nicht hatten. Obwohl ich dies im Internet gelesen hatte und die Notwendigkeit erkannte, hatten wir es einfach vergessen. Ich kämpfte an einem riesigen Monitor. Mike hatte seinen Einreise-Check schon erfolgreich über sein Handy geschafft. Nach 10 Minuten hatte ich auch den Kampf mit der Technik gewonnen, ein Schnippselchen rutschte aus dem Automaten. Das ganze Prozedere dauerte recht lange, zu lange für die warteten Flughafenangestellten. Sie wollten doch nach Hause und winkten uns, ohne diesen Barcode anzusehen, weiter. ALARM im Kopf! Wütend und völlig fassungslos schoben wir unseren Gepäckwagen an allen vorbei, wo auch gleich hinter uns die Schranken zufielen.

Irgendwas muss doch nun aber heute noch klappen, ganz ohne Probleme.

Das gebuchte Mietauto war noch abzuholen. Im Flughafengebäude gab es Schalter von HERTZ und Co, davor mit mächtigen Warteschlangen. Mir fiel gleich die Kinnlade runter. Sollten wir jetzt hier noch so lange warten müssen? Da unsere Auto-Mietstation hier nicht zu finden war, bat ich Mike, den Voucher noch mal durchzulesen. Wir sollen also hier am Flughafen abgeholt werden, mal so wie in der Werbung, mit einem roten Schild mit unserem Namen. Ich drehte mich um und stand genau vor einem roten Schild! Na, wenn das keine Fügung war! Freudig folgten wir den Anweisungen des jungen Mannes, und gingen zum Bus, der draußen auf dem Parkplatz wartete. Mit fünf weiteren Reisenden wurden wir zur ca. 6 km entfernten Mietstation gefahren. Auf einem unbefestigten Parkplatz bogen wir ab. Der Ort war nicht sehr einladend und die dort stehenden Fahrzeuge waren es eigentlich auch nicht. Eine Menge jüngere Leute warteten schon auf ihr Fahrzeug. Es war wie auf der Behörde. Ziehe eine Nummer und du weißt, wann du dran bist. Nach einer halben Stunde waren wir dann dran. Ein Hyundai i10 wartete auf uns im Regen. Ich fiel fast aus allen Wolken, als ich den verrosteten kleinen weißen Wagen sah. Beulen, eine gesprungene Frontscheibe, kein Heckscheibenwischer (der war eben einfach mal weg), die Front-Schürze halb ab und mit einer SCHRAUBE notdürftig befestigt. Die dicken Roststellen am Lack waren da noch das Geringste an dem schrecklichen Auto. Zum Glück hatten alle Räder wenigsten auch alle 4 Mutter dran. Dafür gab es auf den abgefahrenen Sommerreifen kaum noch Profil. Nach 220.000 km Laufleistung muss das Auto nun mit uns noch Mal 3 Wochen schaffen. Ich hoffe das Beste für ihn und uns. Wir fotografierten alle Schäden, unterschrieben für den Mistwagen und rollten quietschend vom Hof. Der Keilriemen meldete sich nämlich auch ständig.

Wir wollten nun einfach nur noch in unsere Unterkunft und unsere Ruhe haben. Der Tag war lang genug und gefüllt mit einer Katastrophe nach der anderen. Nun ist mal gut. Über eine gut ausgebaute Straße ging es etwa 40 km nach Reykjavik. Die Scheibenwischer schoben den Nieselregen von der Scheibe hin und her, die Sicht war zum Fürchten. Der Keilriemen quietschte und die Bremsen wollten ordentlich gedrückt werden. Die Räder mit dem flachen Profil wären bei uns in Deutschland schon längst ein Fall für den Müll, auf alle Fälle etwas für den TÜV. Oh mein Gott, was haben wir uns da für eine Gurke andrehen lassen.

Auf der Fahrt sahen wir im Abendlicht Rauchwolken am Horizont. Wir ahnten, das ist er, der im März erst ausgebrochene Vulkan Fagradalsfjall.

Wir ahnten aber nicht, dass er gerade heute noch mal aktiv wurde.

Reykjavik empfängt uns mit viel Verkehr, aber dem Navi vertrauend bogen wir recht schnell in die „Gunnarsbraut“-Straße ein, einer verkehrsberuhigten Sackgasse. Die Nummer 43 galt es zu finden, im Dunklen und bei dem Nieselregen. Ein Leuchtschild erleichterte uns aber die Suche.

An der Tür wird ein Eingangs-Code benötigt. Mike gekramte im Handy herum. Da gab es doch eine Bestätigungs-e-Mail. Die Zahlenkombination wurde gefunden, die Tür summte und ging auf. Was für ein grandioser Erfolg. Wir waren drin. Und nun? Die Rezeption war zu. Ein großer Zettel hing am Schwarzen Brett, mit vielen Namen darauf. Ich kam mir vor wie beim Exit-Spiel, bei dem in der dunklen Winterzeit die ganze Familie knobelt. Ich entdeckte unseren Namen und dahinter die Zimmernummer 202. Ok, und wo ist dieses? Fünf Schritte weiter standen wir endlich vor unserem Zimmer. Ohne Schlüssel. Ein Zettelchen hing an der Tastatur. Ich zückte diesen und drehte ihn um. Wieder ein Lösungswort gefunden! 4 Zahlen! Raute-Taste und – drin! Wir haben das Rätsel gelöst! Endlich im Zimmer. Endlich angekommen.

Mike holte noch unser Gepäck und wir bezogen für die nächsten 3 Tage unsere einfach eingerichtete. WC und Dusche über den Gang und die Gemeinschaftsküche eine Etage höher. Völlig ausreichend, aber uns war heute sowieso alles Recht.

Das Gepäck wurde nur abgeworfen. Wir wollten doch noch einmal rein ins isländische Gewimmel. Obwohl, das Gewimmel muss man hier erst einmal suchen. So viele Menschen leben ja in Reykjavik überhaupt nicht. Ich glaube, es gibt hier mehr Touristen, als Einheimische (125.000).

Wir wohnen sehr zentral, fast neben der sehr bekannten Hallgrimskirkja-Kirche. Der Kirchturm hat eine Höhe von 72 m. Er ist vom ganzen Stadtgebiet aus zu sehen und damit ein guter Orientierungspunkt. Der Bau der Kirche begann schon 1945. Erst 1986 wurde die Kirche aber erst fertiggestellt.

Bevor wir überhaupt etwas unternehmen konnten, benötigten wir paar isländische Kronen. Dachten wir…, denn die Zahlung mit Karte ist auf Island viel verbreiteter. Mit einem Umrechnungssatz von 0,0067€ / Krone waren wir nun Besitzer von 40.000 Kronen. Schon auf dem Flughafen hatten wir an einem ATM Automat versucht, Geld abzuheben. Dort schreckten uns aber die horrenden Servicekosten von 38 € pro Transaktion ab. An diesem Automaten wurden nun nur 10€ verlangt.

Schnell hüpften wir noch in einen Spätverkauf. Wir brauchten doch noch Brot, Marmelade und Milch, allerdings völlig überteuert.

20.30 Uhr, ein Hüngerchen drückte langsam. Auch der Regen platze mal heftiger, mal weniger über uns herein. Wir flüchteten einfach in eine Gaststätte, ganz typisch natürlich, zum Thailänder. Das war uns aber egal, wir hatten Hunger. Und ein Teller Nudeln für 2000 Kronen waren da genau das Richtige. Ein isländisches Fläschchen Gull-Bier dazu, da war die Welt in Ordnung. Wir waren die letzten Kunden, danach machte der Laden zu. Mit tief in die Gesichter gezogenen Kapuzen liefen wieder zurück in unser Gästehaus. Völlig erschöpft fielen wir in die weichen Betten. Unser erster Urlaubstag, vollgepackt mit Hektik und Abenteuern, hatte nun sein Ende gefunden.

 

Tag 2  -  Sonntag, 19.09.2021  -  Reykjavik, die Hauptstadt



Hallgrimskirkja – Diese Kirche aus Beton
1929 geplant, ab 1945 gebaut und 1986 fertiggestellt



74,5 m - das zweithöchte Gebäude Islands



vor der Kirche das Standbild von Leifur Eiriksson



 


Uferpromenade



Hallgrimskirkja
von überall in Reykjavik zu sehen





 


Solfar – „Sonnenfahrt“



Das Schiff soll unentdeckte Länder, Hoffnung und Freiheit symbolisieren.





 


„Harpa“, die Harfe – die Kongress- und Konzerthalle…



… am Hafen



Die Glasfassade schimmert in der Sonne.


 













 












Grüner Hügel von Thufa im alten Hafen – ein 8 m hohes Kunstwerk mit tollen Blick auf Reykjavik
(auch bei Sturm und Regen)

 






Regierungsgebäude Islands
– das offizielle Büro des Premierministers





 






Ein Fotogeschäft …


… mit skurrilem Türstopper


 






Oktoberfest gibt es doch weltweit….





 


Ingólfur Arnarson
vermutlich
der erste Siedler Islands
Er wählte die Bucht von Reykjavik,
die „Rauch – oder Dampfbucht“.


Standbild von Leifur Eiriksson,
dem EntdeckerAmerikas
(schon 500 Jahre vor Kolumbus)



Looking Seawards (1997)
zum
80. Hafengeburtstag enthüllt


 


„Betonkopf“
der „Unbekannte Bürokrat“ (1973)



Vatnsberinn (1937) – zur Erinnerung an die Wasserträgerinnen um das Jahr 1900



Denkmal im Mütterpark (1925),
dem ersten Spielplatz Reykjaviks

 


Whales of Iceland – ein tolles Walmuseum
(das größere ist ein Pottwal)


Narwal – der Zahn wurde als Beweis für die
Existenz von „Einhörnern“ angesehen


alle Exponate in Originalgröße


 

8.00 Uhr sind wir aufgestanden. Ab zum Frühstück in die Gemeinschaftsküche, wo schon einige Grüppchen saßen und ihren Kaffee tranken. Das Gästehaus war gut ausgestattet. Gratis frischer Kaffee aus der Maschine, Kühlschränke und Geschirrspüler standen zur Verfügung. Ebenso Geschirr und komplette Kochmöglichkeit. Das frühstücken machte Spaß.

Unser erster Rundgang durch Reykjavik begann im strahlenden Sonnenschein. Unsere Rostbeule blieb stehen. Wir hatten Wettertechnisch an diesem Tag Glück. Das Nordmeer zeigte sich von seiner sanften Seite. Leichte Wellen und eine kleine Priese pfiffen uns sanft um die Ohren. Der Uferweg war super ausgebaut, geteilt für Fußgänger und Radfahrer. Wir ließen uns von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten treiben. Und zu sehen gab es genug. Ein silbern glänzendes stilisiertes Wikingerschiff zog unser Interesse auf sich. „Solfar“ – die Sonnenfahrt heißt das angeblich meist fotografierte Kunstwerk, was dominant an der Uferpromenade steht. Die neue moderne Skyline der Hauptstadt zeigt tolle Wohn- und Geschäftshäuser in neuster architektonischer Bauweise, die eine junge Stadt nun mal braucht und attraktiv macht.

Die Harpa (Harfe) - das Kongress- und Konzerthaus lockte schon von weitem mit seinem modernen Bau. Die gläserne schwarze Fassade glänzt, fantastisch in der Sonne. Im Inneren spiegeln sich die Glaswaben und reflektierten alles in den schönsten Regenbogenfarben. Hell und gigantisch erscheint das Innere. Vor der Harpa dampfen treppenförmigen Wasserspiele. Mit Geothermalwasser werden ja in Reykjavik auch Straßen und Plätze schneefrei gehalten.

Ein Museum der besonderen Art zeigte sich uns gleich in der City. Es befindet sich im Kellergeschoß eines Geschäftshauses. Das Phallus-Museum, eines der Größten seiner Art. Es hat mit 284 Ausstellungsstücken in das Guinnessbuch der Rekorde geschafft. Jedoch hielt uns der Eintrittspreis von je 5000 Kronen/50€ ab, uns diesen Spaß zu gönnen.

Aber Reykjavik hat noch vieles mehr zu bieten. Der Fisch- oder Trödelmarkt lag direkt auf unserem Weg. Trödel der letzten Jahrzehnte, Plunder, Klamotten oder Schilder, altes Spielzeug, Schmuck oder Gewürze. Für jeden ist sicher was dabei. Dicke Pullover und Handschuhe, selbstgestrickt, mit den typischen Island-Mustern lagen an jedem Stand - aber alle aus kratzender Wolle…. Mich lockte der Fischstand mit seinem Trockenfisch-Angebot. Hier konnte auch mal gekostet werden. Gar nicht schlecht, urteilten wir dann, und entschieden uns, eine Tüte getrockneten Fisch mitzunehmen, als Wegzehrung.

Auch gab es den in den Island-Bericht beschriebenen „vergammelten Hai“. Kleine Stücke aus dem fermentierten Fleisch des Grönlandhais waren in Bechern abgefüllt. Böse Zungen behaupten, der Geschmack ähnelt einem Dixiklo im Hochsommer. Freundlich wurden uns kleine Spieße zum Kosten gereicht. Nun waren wir an der Reihe, uns diesen „üblen“ Geschmack anzutun. Und wir taten es. Wie schmeckt diese isländische „Delikatesse“? Es kaute sich weich und schmeckte tranig und dann nach sehr altem Camembert, sehr scharf beim herunterschlucken. Naja, noch mal sicher nicht. Aber es war schon mal lustig und interessant.

Jetzt ging es mal in ein Museum. Die Nordlichter-Ausstellung zeigte uns die Vielfalt der hier zu sehenden Nordlichter auf Island. Viele schöne Aufnahmen waren zu sehen sowie gute Erklärungen zur Entstehung. Auch gab es interessante Hinweise zum Fotografieren der Polarlichter. Auf dicken Kissen liegend, wurden uns tolle Aufnahmen von Nordlichtern vorgeführt. Am Schluss konnten wir sogar eine Virtual-Reality-Show erleben, mit dicken 3D-Brillen auf der Nase. Lustig war es schon, dem anderen zuzusehen, wie er sich windet und drehte, um die eingespielten spektakulären Nordlicht-Filme anzusehen.

Danach trieb es uns weiter zum Wal-Museum, was sich in unmittelbarer Nähe befand. Circa 30 Wale wurden hier in Originalgröße nachgebaut und schwebten von der Decke herab. Über Kopfhörer wurden uns die Wale vorgestellt, wurden Fakten, Eckdaten und Besonderheiten der einzelnen Walarten erklärt, die zum Staunen und zum AHA führten. Auf einer riesigen Leinwand sahen wir Unterwasseraufnahmen, die verschiedenen Wale im Meer beeindruckend zeigten. Vor allem hatte es mir der Narwal angetan. Ein Skelett seines Schädels zeigt deutlich, wo das Horn spiralförmig herauswächst. Anfänglich vermutete man, dass nur männliche Narwale dieses Horn bilden. Aber auch weiblichen Narwalen wächst solch ein Horn, dass in europäischen Königshäusern mit Gold gehandelt wurde und den Mythos vom legendären Einhorn verbreitet hat. Aber warum den Narwalen ein Horn mit einer Länge von etwa 1,5 m wächst, ist nach wie vor ein Rätsel. Vermutlich soll es bei Machtkämpfen verwendet werden. Andere Wissenschaftler vertreten die Meinung, dass es mit über 100.000 Nervenzellen versehen ist und sehr empfindlich auf Temperaturschwankungen reagiert.

Auch der dicke Blauwal Moby Dick war im Museum dabei. Er hatte ja das Schiff und den Fischer verschluckt. Das vermittelte Hintergrundwissen der Giganten der Meere war so gewaltig, dass ich mir manches mindestens zweimal anhören musste, um alles zu erfassen. Aber dafür war diese Ausstellung ja da, um vollgepackt mit Wissen wieder herauszugehen.

Weiter auf Entdeckungstour durch Reykjavik führte uns der Weg durch das Hafenviertel. Viele junge Firmen haben hier in den Hallen ihr neues zu Hause gefunden, wie zum Beispiel die Schokoladenfabrik „OmNom“. Ihr Erfolgsrezept wurde durch die Stadt gefördert. Es gelang ihnen mit der süßen Verführung und dem einzigartigen Design ein sensationeller Durchbruch am Markt.

Am Ende der Mole entdeckten wir einen begrünten Erd-Hügel, mit einem spiralförmigen Rundweg. Der Hügel konnte bestiegen werden. Oben, in einem Holzhäuschen wurde in luftiger Höhe Fisch getrocknet. Das Ganze war ein Kunstwerk. Was will uns der Künstler aber damit sagen? Der schöne Rundblick auf die Harpa, den Hafen und die Uferpromenade waren den Aufstieg wert.

Auf dem Rückweg kauften wir im günstigen Discounter „Bonus“ ein Stück Lachs, frisch geräuchert, dazu frisches Brot und reichlich Knoblauch. Das Abendbrot war gesichert.

Durch die Altstadt liefen wir nach Hause, vorbei an der Regenbogenstraße und einigen schönen Künstler-Ateliers, Fotostuben, Cafés und Bars. Die einfachen Häuser waren hübsch dekoriert und schön anzuschauen. Leider wurde es im Abendlicht immer dunkler. Wir eilten nach Hause mit der Vorfreude auf ein leckeres Abendbrot. Dazu gab es noch eine Tasse heißen Tee. Wir waren rundum zufrieden, fielen in die weichen Betten und schliefen mit noch einen schönen Gedanken an den erlebten Tag ein.

 

 

Tag 3  -  Montag, 20.09.2021  -  Reykjavik

 


Hallgrimskirkja von innen …







… und die Turmbesteigung
(allerdings heute bei Regen und gewaltigem Sturm)

 


„vernebelter“ Blick auf Reykjavik







noch einmal Leifur Eiriksson


 














Perlan – die Perle
Speicher für 20 Mill. Liter Thermalwasser,
dient zur Warmwasserversorgung von Reykjavik
(… auch der im Winter beheizten Gehwege und Straßen)

 


„Höfdi“ – eines der ältesten Häuser der Stadt …



… und Empfangshaus der Stadt Reykjavik



1986 trafen sich hier mitten im Kalten Krieg
Michael Gorbatschow und Ronald Reagen

 










Harpunenskulptur „Partnerschaft“

 

 


Botanischer Garten, 1961 gegründet



Fläche: 2,5 ha



mit etwa 5000 Pflanzenarten


 


Sorbus aucuparia (Eberesche, Vogelbeere)







Sorbus frutescens (Chinesische Eberesche)


 


Perlan – die Perle
Warmwasserspeicher …









 


… Aussichtspunkt …










 


… und Museum
Eishöhle im künstlichen Gletscher



Dansleikur (1970) - eine Gruppe tanzender Musiker - direkt vor Perlan







 

Der heutige Tag steht ganz im Zeichen der Erkundung von Reykjavik. Einige klassische Sehenswürdigkeiten standen heute auf dem Programm. Zuerst besuchten wir noch einmal die moderne Hallgrímskirkja-Kirche. Pünktlich 10.00 Uhr wurde die Pforte geöffnet und viele Wissenshungrige strömten, auch vor eingesetzten Starkregen flüchtend, hinein in das Kirchenschiff. Wir bestaunten die einfache Betonarchitektur und das Taufbecken. Ebenso ein Augenfang war die mächtige Orgel direkt über dem Eingang mit ihren 5275 Orgelpfeifen. Ein Aufzug brachte uns dann bis in die Turmspitze. Der kräftige Sturm zog durch die Fensterritzen und machte es uns fast unmöglich, unverwackelte Fotos von Reykjavik zu schießen.

Der Tag blieb Wolkenverhangen und diesig. Es regnete aus Eimern. Ein Grund, nicht lange auf der freien Etage des Turmes zu verweilen. Wir traten den Rückzug an und überlegten im Auto, was wir bei diesem schlechten Wetter machen können. Wir entschieden uns für eine Auto-Stadtrundfahrt. Zuerst stand das Gästehaus der Stadt, das Empfangshaus Höfdi, auf dem Programm. 1986 trafen sich dort mitten im Kalten Krieg Michael Gorbatschow und Ronald Reagan zu einem zwanglosen Gespräch.

Da wir uns gleich unmittelbar am Meer befanden, schlenderten wir trotz Regen zur Uferpromenade und besichtigten die überdimensionale Harpunenspitze, ein künstlerischer Gedanke zur oben genannten Partnerschaft, gesponsert aus den USA.

Als nächstes war uns ein trocknes Plätzchen lieber, also ein Museum. Aber ganz oben auf der Wunschliste von Mike stand natürlich der Botanische Garten. Nur 2 km entfernt standen wir vor einem sehr gepflegten, kostenfreien Garten. Aufgeteilt auf die Kontinente waren alle borealen und gemäßigten Gehölze zu finden. Auch ein hübscher Steingarten war reichlich mit Hochgebirgs-Pflanzen aus aller Welt bestückt. Die vermeintlichen Gewächshäuser entpuppten sich als Café, im Gewächshaus unter Bäumen.

Mike war traurig, dort keine tropischen Pflanzen besichtigen zu können. So ganz abwegig ist das schließlich nicht. Die Beheizung der Gebäude kann ja schließlich über die hier reichlich vorhandene Erdwärme erfolgen, also recht kostengünstig.

Gegen 14.40 Uhr. waren wir im Perlan Museum. Ein Naturkundemuseum der besonderen Art und Größe. p.P. 4.490,00 Kronen (= 27€). Perlan – die Perle. Die eigentliche Aufgabe diese Gebäude ist die Speicherung von Thermalwasser. Mit diesem werden u.a. die Straßen Reykjaviks beheizt uns schneefrei gehalten

Weithin ist die gläserne Kuppel zu sehen. Leider versperrte eine Baustelle die direkte Zufahrt. Somit mussten wir einige hundert Meter durch ein Moorbirken-Wäldchen laufen. Danach fehlten allerdings einige Bäumchen aus der Kinderstube.

Zwar war der Eintritt gepfeffert, aber das Gebotene war schon eine Wucht. Naturwissenschaftlich aufgebaut über mehrere Etagen wurden uns Island vorgestellt, über das Meer und seine Bewohner, das Wasser, Bäume, Vegetation, das Wetter, der Regen, Vulkane, Gletscher und ihre Landtiere im Eis und im Meer. Man konnte so viel auf Bildschirmen drücken oder selber machen, durch Lupen oder Ferngläser schauen, durch Eishöhlen laufen und eine Multi-Media Show über Nordlichter im Planetarium ansehen, was uns den Museumsbesuch zu etwas Besonderen werden ließ. Ganz oben in der gläsernen Kuppel gönnten wir uns einen großen Teller Süßkartoffel-Pommes frites. Ein grandioser Ausblick gratis dazu. Im Keller waren noch einige spektakuläre Fotos zu besichtigen von den Vulkanausbrüchen der letzten Jahre. Wahnsinnig schöne Aufnahmen, atemberaubend und unglaubliche Situationen, während der Ausbrüche. Manchmal verkannte man die Proportionen der Wolkenwand des Vulkanes oder des Lava Der heutige Tag steht ganz im Zeichen der Erkundung von Reykjavik. Einige klassische Sehenswürdigkeiten standen heute auf dem Programm. Zuerst besuchten wir noch einmal die moderne Hallgrímskirkja-Kirche. Pünktlich 10.00 Uhr wurde die Pforte geöffnet und viele Wissenshungrige strömten, auch vor eingesetzten Starkregen flüchtend, hinein in das Kirchenschiff. Wir bestaunten die einfache Betonarchitektur und das Taufbecken. Ebenso ein Augenfang war die mächtige Orgel direkt über dem Eingang mit ihren 5275 Orgelpfeifen. Ein Aufzug brachte uns dann bis in die Turmspitze. Der kräftige Sturm zog durch die Fensterritzen und machte es uns fast unmöglich, unverwackelte Fotos von Reykjavik zu schießen.

Der Tag blieb Wolkenverhangen und diesig. Es regnete aus Eimern. Ein Grund, nicht lange auf der freien Etage des Turmes zu verweilen. Wir traten den Rückzug an und überlegten im Auto, was wir bei diesem schlechten Wetter machen können. Wir entschieden uns für eine Auto-Stadtrundfahrt. Zuerst stand das Gästehaus der Stadt, das Empfangshaus Höfdi, auf dem Programm. 1986 trafen sich dort mitten im Kalten Krieg Michael Gorbatschow und Ronald Reagan zu einem zwanglosen Gespräch.

Da wir uns gleich unmittelbar am Meer befanden, schlenderten wir trotz Regen zur Uferpromenade und besichtigten die überdimensionale Harpunenspitze, ein künstlerischer Gedanke zur oben genannten Partnerschaft, gesponsert aus den USA.

Als nächstes war uns ein trocknes Plätzchen lieber, also ein Museum. Aber ganz oben auf der Wunschliste von Mike stand natürlich der Botanische Garten. Nur 2 km entfernt standen wir vor einem sehr gepflegten, kostenfreien Garten. Aufgeteilt auf die Kontinente waren alle borealen und gemäßigten Gehölze zu finden. Auch ein hübscher Steingarten war reichlich mit Hochgebirgs-Pflanzen aus aller Welt bestückt. Die vermeintlichen Gewächshäuser entpuppten sich als Café. Mike war traurig, dort keine tropischen Pflanzen besichtigen zu können. So ganz abwegig ist das schließlich nicht. Die Beheizung der Gebäude kann ja mit der reichlich vorhandenen Erdwärme erfolgen, also recht kostengünstig.

Gegen 14.40 Uhr. waren wir im Perlan Museum. Ein Naturkundemuseum der besonderen Art und Größe. p.P. 4.490,00 Kronen (= 27€). Perlan – die Perle. Die eigentliche Aufgabe diese Gebäude ist die Speicherung von Thermalwasser. Mit diesem werden u.a. die Straßen Reykjaviks beheizt uns schneefrei gehalten.

Weithin ist die gläserne Kuppel zu sehen. Leider versperrte eine Baustelle die direkte Zufahrt. Somit mussten wir einige hundert Meter durch ein Moorbirken-Wäldchen laufen. Danach fehlten allerdings einige Bäumchen aus der Kinderstube.

Zwar war der Eintritt in das Museum recht gepfeffert, aber das Gebotene war schon eine Wucht. Naturwissenschaftlich aufgebaut über mehrere Etagen wurden uns Island vorgestellt, über das Meer und seine Bewohner, das Wasser, Bäume, Vegetation, das Wetter, der Regen, Vulkane, Gletscher und ihre Landtiere im Eis und im Meer. Man konnte so viel auf Bildschirmen drücken oder selber machen, durch Lupen oder Ferngläser schauen, durch Eishöhlen laufen und eine Multi-Media Show über Nordlichter im Planetarium ansehen, was uns den Museumsbesuch zu etwas Besonderen werden ließ. Ganz oben, in der gläsernen Kuppel, gönnten wir uns in der Gaststätte einen großen Teller Süßkartoffel-Pommes frites, einen grandiosen Ausblick gratis dazu.

Kurz vor dem Ausgang waren noch spektakuläre Fotos von Vulkanausbrüchen auf Island zu besichtigen. Wahnsinnig schöne Aufnahmen, atemberaubend und unglaubliche Situationen. Manchmal verkannte man die Proportionen, wenn nicht vor einem spektakulären Lavafluss beispielsweise ein kleines Flugzeug zu sehen wäre.

18:00 Uhr wurden wir aus dem Museum rausgefegt. Der Regen hatte sich gelegt, nur ein frische Priese wehte uns fast von der Straße.

Das Abendbrot hielt sich in Grenzen. Ein Spargelsüppchen und geröstetes Brot mit Knoblauch drauf. Lecker! Auf unserem Zimmer meinte es die Heizung sehr gut mit uns, die Duschen waren heiß und das TV-Gerät plärrte nur die neusten Hits heraus. Aber das störte mich beim Scheiben des Reiseberichtes nicht. (Gianna Nanninis neuster Hit „Ogni tanto“ fand ich ganz stark).

Dann pflegte ich noch meine schmerzenden Knie, die immer noch nicht das machten, was ich gerne tun würde – laufen! Sie ziehen und schmerzen weiterhin, kann sie nicht anwinkeln und muss Ibu600 nehmen. Wie da so weitergehen soll, weiß ich noch nicht.

 

 

4. Tag  -  Dienstag, 21.09.2021  -  Halbinsel Reykjanes


die erste größere Fahrt mit unserem „Veteran“
240.000 km auf dem Tacho, Frontscheibe gesprungen, ohne Heckscheibenwischer
… und abgefahrene Sommerreifen


… und natürlich Regen mit viel Sturm




Seltun  -  ein Geothermalgebiet
im Vulkansystem Krýsuvík






Das große Blubbern …


… und überall Schwefelgeruch


Hot spring
(Film)







Hot spring
(Film)


zum Vulkan ging es 500 m über Buckelpiste



das mussten wir doch auch sehen …



eine der Lavazungen, leider nicht mehr rotglühend,
aber überall dampft es noch











Lavazunge
(Film)



Stricklava



















































Erstarrte ʻAʻā-Lava















der Verursacher, der Vulkan
Fagradalsfjall







vom Sturm gebeutelt …



… aber glücklich



Weiter geht es die Küste entlang,
der Wind peitscht die Wellen



Brimketill
wir haben unseren ersten Naturpool entdeckt

(so hätten wir ihn bei schönem Wetter sehen können)


… doch …




… die Wellen …



… dulden keine neugierigen Blicke …



!!!!



Gegensätze: die Luft stürmig, etwa 0°C







Nutzung der Geothermalquellen



Klippen von Hafnaberg …



… ein Paradies für Seevögel
(und Touristen)











Leuchtturm von Hafnaberg
an der Westküste von Reykjanes








Brücke zwischen den Kontinenten …











… überspannt die Spalte zwischen der amerikanischen und der eurasischen Kontinentalplatte
















Diese Spalte zieht sich durch ganz Island …



… und ist auch gut in Pingvellir zu erkennen


Wie wird die Zwiebelstärke berechnet? Was ziehen wir nur an? Heute steht ein Tagesausflug mit dem „Wagen“ auf dem Plan. Wir wollen westlich von Reykjavik die Halbinsel Reykjanes erkunden.

Es ging direkt in die schlechte Wettersuppe hinein. Regen peitschte um uns herum. Wir waren froh, im Auto zu sitzen. Außerdem war für heute auch noch die Sturmwarnstufe ORANGE angesagt. Es rüttelte uns gehörig durch. Kein Baum und kein Strauch standen ja am Wegesrand. Die aufgeworfene schwarze, mit Moosen überwachsene Vulkanlandschaft bot dem Wind keinen Widerstand und fegte gnadenlos über das freie Land. Ich hatte schon einige Bedenken, dass wir mit dem leichten Hüpfer einfach umkippen könnten. Aber er blieb standhaft. Es gab auch keine plötzlichen Windböen. Der Sturm drückte dauerhaft, wie in einem Windkanal. Mit etwa 40km/h tuckerten wir dahin und waren beeindruckt von der wilden ursprünglichen Landschaft.

Das Navi zeigte uns einen riesigen See, den Kleifarvatn. Bei diesem Regen war er aber kaum zu erkennen. Wir stiegen kurz aus, waren aber sofort total durchgeweicht. Also weiter, ein Hinweisschild „SELTUN Krysuvik - Hot Spring“ ließ uns stutzig werden. Ein Parkplatz lockte auch, und wir bogen ein. Ein Reisebus hatte gerade seine Touristen wieder eingeladen und fuhr los. Wir hatten somit die Hot Springs fast für uns alleine. Der peitschende Regen zwang uns in Regenjacken, Handschuhe und Mütze.

Zum ersten Mal sahen wir blubbernde kleine Quellen und gelbumrandete Erdlöcher, aus dem stinkende Schwefeldämpfe entwichen. Ein Holzweg führte an den Quellen vorbei. Man sollte die Wege auch nicht verlassen, um nichts zu zerstören und nicht im weichen lehmigen Sand zu versinken. Schwarze reife Krähenbeeren und blühende Erika gab es als grüne und lila Tupfer zwischen den gelben Hot Springs. Wir waren beeindruckt. Sogar Regen und Sturm schienen zu staunen und gaben etwas Ruhe. Genau die Zeit, die wir benötigten, um uns die Anlage anzusehen. Wir kamen also trocken wieder ins Auto. Dann schlug das Wetter aber wieder gnadenlos zu. Allerdings hatte es nicht immer den Anschein, dass das Auto dicht wäre. Es knarrte und quietschte an allen Ecken und durch die Türen pfiff der Seitenwind. Aber unser Rostbeulchen hielt sich tapfer.

Am nächsten Stopp wären wir fast vorbeigefahren, wenn nicht zwei Autos vor uns dort hineingebogen wären. Nur eine Holzpalette mit zwei roten Spitzen zeigten uns den Weg zum … Vulcano! Den Vulkan Fagradalsfjall, der im März 2021 ausgebrochen war, konnte man wieder besichtigen. Den provisorisch eingerichteten Parkplatz nutzten wir gleich. Das Hinweisschild, über 1000Kronen Gebühren bei Nutzung und die dazugehörige Videoüberwachung waren aber schon ganz professionell.

Ich zog alles an, was mein Rucksack so hergab. Mütze, Handschuhe und Halstuch ebenso. Anzugsordnung nach dem Zwiebelprinzip. Mein Herz schlug höher, nun endlich mal selbst vor so einer Naturgewalt stehen zu können. Ein dicker breiter schwarzer Lavastrom hat sich durch das Tal geschoben und ist erst vergleichsweise nahe an der Straße zum Halten gekommen und erstarrt. Aus aufgebrochenen Spalten und Rissen dampfte es aber immer noch gewaltig. Heiß war es dort noch. Wir kletterten auf dem erkalteten Lavabrei herum, mussten aber sehr auf die glasharten scharfen Lavakanten achtgeben. Die schwarze Masse wurde durch die nachließende Lava zusammengeschoben wie ein welliges Tischtuch. Diese Lavausbildung wird „Stricklava“ genannt. Auch waren dicke Blasen beim Abkühlen wie Glas zersprungen. Alles war durchlöchert, mit viele Lufteinschlüssen. Die schwefelhaltigen Rauchschwaden aus den Spalten schlingerten am Boden, vom Wind fest in eine Richtung getrieben. Wir waren fasziniert und liefen auf der aufgeworfenen Lava immer weiter. Auch konnten wir uns gar nicht sattfotografieren. Immer wieder versprach es, ein spannendes Bild zu werden.

Wir umrundeten die Lavazunge und liefen auf der anderen Seite des Lavastromes dem Vulkan entgegen. Immer wieder änderte sich die Struktur des Gesteins. Und man spürte noch immer die Hitze. Der Sturm wurde immer heftiger und der Regen, der glücklicherweise etwas nachgelassen hatte, wurde fast zerstäubt. Wir und vor allem unsere Rucksäcke und Kameras durchweichten mehr und mehr. Ein Ende des Lavafeldes war aber nicht abzusehen. Schon sahen wir andere schwarze Lavaströme, auch noch dampfend und am mitunter vom Nebel freigegebenen Vulkan endend.

Seit fünf Monaten hat sich der Vulkan Fagradalsfjall beruhigt, abgesehen von den letzten Lavaflüssen vor 4 Tagen. Er ist aber bestimmt immer noch gefährlich genug. Man spürte die Kraft und Energie des Erdinneren, die hier freigesetzt wurde. Als Menschen sind wir hier nur kleine Gäste, wenn wir auch noch immer einmal Gast sein wollen, wenn ein Vulkan richtig ausbricht.

Da ich immer noch nur beschwerlich laufen konnte, wollte ich die Wanderung beenden und wieder umkehren. Der Vulkan war noch zu weit. Mike lief noch einige Hundert Meter allein weiter den Hang hinauf. Ich kehrte schon langsam um.

Der Rückweg war beschwerlich. Der gewaltige Sturm machte es fast unmöglich, gerade zu laufen. Ich bäumte mich gegen die Urgewalt und kämpfte mir jeden Schritt ab, zurück über das große Geröllfeld mit meterhoch aufgetürmter Lava. Die nassen Erikabüsche und der lehmige durchgeweichte Boden machte das Laufen nicht gerade leichter. Zum Glück hatte ich meinen Wanderstock dabei, verzurrte den Fotoapparat an mir und kämpfte mich allein zurück. Aber der Sturm nahm derartig zu, dass ich lieber auf Mike wartete. Dann stützen wir uns gegenseitig gegen den Wind. Auch brachten wir kaum ein Wort heraus, weil uns Sturm und der feine Regen den Atem nahm. Meine Knie machten ganz gut mit. Allerdings, ein Ausrutscher wäre fatal.

Nach einer Stunde hatten wir das Geröllfeld besiegt und befanden uns auf dem Rückweg zum Parkplatz. Immer noch stemmten wir uns gegen den Sturm. Wir froren mittlerweile in den nassen Sachen. Meine Schuhe quietschten nicht vor Freude, sondern vor Nässe. Das Wasser lief über die Hosen in die Schuhe. Die Handschuhe waren nass uns schwer und die Jacke hielt auch nicht das, was sie vorher versprach. An allen Nähten drückte das Wasser durch. Mike hätte fast seine Mütze verloren, während er ein paar Lava-Souvenirs auflesen wollte.

Vor drei Stunden hätten wir uns so ein Abenteuer aber nicht vorstellen können. Es war toll und interessant, wir waren aber froh, im Auto die nassen Sachen ausziehen zu können. Wir drehten den Lüfter hoch und erwärmten uns während der Fahrt. Die Heizung funktionierte im Auto wirklich gut! Nur die Innenscheiben waren total angelaufen. Erst nach zwanzig Minuten hatten wir wieder freie Sicht und konnten unseren Tagesauflug fortsetzen.

Wir fuhren entlang der Westküste der Halbinsel. Bei schönem Wetter kann jeder. Wir hätten bei Sonne bestimmt herrliche Ausblicke genießen können. Allerdings konnten wir das Ereignis an einer Klippe mit Aussichtspunkt nur bei diesem Wetter erleben. Der Sturm brauste, ließ die Wellen des Atlantiks auf 10 bis 20 m steigen. Es war ein sehr imposanter Anblick, wenn die Wellen auf den Klippen aufschlagen, sich überschlagen und aufgewühlt ans Land schlagen. Ein Holzsteg führte bis vor zu den Klippen. Diesen sollte Mann aber angesichts dieser Wellen meiden. Leider wusste das Mike nicht. Er lief arglos den Steg entlang und wurde von einer mächtigen Welle überrollt. Er war wieder völlig durchnässt, aber ich machte ein spektakuläres Bild, Welle und Mike in seiner gelben Jacke, kurz vor dem zusammentreffen. Es sieht unglaublich aus. Schön für mich und meinen Fotoerfolg, aber Pech für Mike.

Ich fror derartig, dass ich keine weiteren Fotos mehr machen konnte. Ich hatte keine Handschuhe an und schlotterte am ganzen Körper. Die nasse Jacke wärmte ja nicht mehr. Nur schnell wieder ins Auto.

Beim nächsten Stopp war ich klüger. Jetzt hatte ich die richtige Zwiebelstärke raus. 3 Pullover, ein Kopftuch und die Mütze. Alles schön verschnüren, da konnte mir der Wind nichts mehr anhaben. Da klappte es auch wieder mit dem Fotografieren. Ein grandioser voller Regenbogen genau über einem Leuchtturm, der noch von einem Sonnenstrahl angeleuchtet wurde.

Unser letzter Stopp kurz vor dem Sonnenuntergang glich einem unwirklichen Abenteuer. Wir waren an einem Stück der Kontinentalspalte. Die tektonischen Platten von Amerika und Eurasien triften auseinander, etwa 8 cm im Jahr. Mittlerweile hat sich ein beeindruckender Spalt gebildet, der sich durch ganz Island zieht. An dieser Stelle verbindet eine Stahlbrücke die beiden Kontinente. Man kann also bequem von einem Kontinent zum anderen laufen, und tolle Fotos machen. Man kann aber auch mit fototechnischen Tricks diese Brücke auf Händen tragen. Endlich konnte ich mir nun auch diesen Traum erfüllen, einmal in solch einem Spalt zu stehen! Morgen geht es dann nach Pingvellir, zu einem noch größeren Abschnitt der Kontinentaltrennung.

Mike turnte auf den Felsen der amerikanischen Seite herum und ich stand auf der anderen Seite. Dabei fotografierten wir uns gegenseitig im schönsten Abendlicht, sogar wieder mit einem Regenbogen!

Die Sonne ging spektakulär unter. 19.00 Uhr, nun wird es aber Zeit, an die Heimfahrt zu denken. Unsere Rundfahrt führte weiter an der aufgewühlten Küste entlang, und dann etwa 50 km zurück nach Reykjavik. Die Fahrt war entspannt, wir haben die Erlebnisse des Tages noch einmal vor Augen. Auch der Sturm legte sich.

Zum Abendbrot wartete auf uns Hochrotbäckigen geräucherter Lachs mit geröstetem Brot.

Der Wind hatte uns heute wirklich ganz schön zugesetzt. Wir waren aber um einiger Abenteuer reicher. Na dann, gute Nacht, die Augen zugemacht. Morgen warten neue auf uns!



5. Tag  -  Mittwoch, 22.09.2021   -   Pingvellir + Geysir













 













 













 













 













 













 







(Film)





 













 













 













 













 













 













 













 













 













 



(Film)



(Film)




 



(Film)









 













 













 




 



(Film)


 













 

 

 

 

 







(Film)





 













 













 

 

Start 8.30 Uhr in Richtung See Pingvallavatn, einer der größten Binnensees Islands! Er ist 114 m tief und 82 km² groß. Auf einem Parkplatz konnten wir wunderbar uns diesen mächtigen See ansehen. Wir sahen jedoch auch das nahende Unwetter. Eine große Unwetterfront zog hinter uns auf, und es wurde plötzlich sehr kalt. Die dicken dunklen Wolken brachten ein heftiges Regenband mit, welches sich auch gleich über uns ergoss.

Wir wollten heute die Schlucht Pingvellir besichtigen. Am Aussichtspunkt Hakio parken wir unser Auto für 1000 Kronen, zogen uns richtig warm an und nahmen vorsichtshalber die Regenjacken mit. Die Spalte oder Schlucht schlängelt sich zu unseren Füßen dahin, wo schon hundert andere auch auf den Gedanken gekommen sind, den Tag zur Besichtigung zu nutzen. Zwischen den 40 m hohen Basaltwänden waren gut maximal 20 m bis zu 4 m Abstand entstanden beim auseinandertriften der amerikanischen und eurasischen Platten.

Bei schönstem Sonnenschein begann unser Tag. Eine kleine Wanderung zum Wasserfall und zur Sicht auf die Gletscherspitze war der Rundweg komplett. Kaum den Rückweg betreten, fing es an heftig zu hageln und dann zu schneien. Gut, dass wir die Regenmäntel mithatten. Wir zogen alles an, was wir eingepackt hatten und liefen weiter im großflockigen luftigen Schneefall. Doch so schnell wie das Wetter über uns hereinfiel, so schnell verzog es auch wieder und wir konnten ohne Probleme unseren Rundweg fortsetzen. Denn die kleine Kirche Pingvallakirkja mit stand noch im Reiseführer. Der runde, grasbedeckte und etwa 20 m große Thingplatz davor diente als nationaler Versammlungsplatz. An dieser Stelle wurde im Jahr 930 der erste isländische Staat gegründet und am 17. Juni 1944 die Republik Island.

Einige Spalten waren gefüllt mit glasklarem Wasser. Man konnte bis auf den Boden sehen, wenn die Sonne hineinschien und das Wasser schön hellblau werden ließ. Ein paar mutige Schnorchler gönnten sich dieses Schauspiel, einmal zwischen zwei Platten zu schwimmen. Im Thermoanzug waren die 3 Grad Wassertemperatur nur zu ertragen. Der wiederholt einsetzende Regen störte aber nur uns, nicht die Schwimmer!

17.00 Uhr. Nachdem wir ca. 3h hier rumgetingelt sind, fuhren wir weiter nach Haukadalur zu den Geysiren. Auf einem größeren touristisch ziemlich erschlossenen Plateau befanden sich ca. 6-10 Geysire. Der Strokkur stößt aller 6-10 min. eine 10-15m hohe Fontaine aus, viele Touristen blieben begeistert stehen, um diese Fontaine einmal mitzuerleben. Die türkisblaue Luftblase zu fotografieren, war ein Augenmaß und bedurfte genaue Beobachtungsgabe des Geysirs. Zuerst bildeten sich kleine Ringe und dann schwabbte der Rand der Quelle etwas über und dann bläht sich zentral das Wasser auf zu einer beeindruckenden Blase. Weitere viele heiße Quellen in türkisblau bis weiß oder Schlammquellen, alle fast 100 grad, konnte man ansehen. Es war ein herrlicher Sonnentag wieder, alle Wolken vom Himmel weggeschoben.

19.00 Uhr entschieden wir uns, mit dem Auto noch Richtung Gletscher zu fahren. Dabei entdeckten wir mehr zufällig den riesigen Wasserfall Gullfoss, der sich mit seinen Wassermassen in eine Schlucht ergoss. Im Sonnenuntergang grandios anzuschauen.

19.45 Uhr weiter in Richtung Gebirge bis uns die Straße verboten wurde, weiterzufahren. Zu klein das Auto! Die fest asphaltierte Straße ging über in eine Schotterpiste, nix für unsere Rostlaube.
Zur Umkehr gezwungen, noch einmal am Geysir vorbei, und im letzten Licht noch Mal auf eine Fontaine gewartet.

Es wurde dunkel auf dieser Hochebene. Wir waren noch etwa 50 km vor Reykjavik. Hier gab es bis auf paar vorbeifahrende Autos kein Fremdlicht, und wir hatten fast wolkenlosen Himmel. Wir überlegten, auf Nordlichter zu warten. Auf einem kleinen Parkplatz hatten wir kurzentschlossen gehalten und noch etwas hilflos in den Himmel geschaut. Nichts, und wir waren uns unschlüssig. Doch hinter einem einzelnen Berg verriet eine helle gelbe Wolke, dass dort gleich ein wunderschöner Vollmond aufgehen wird. Das war ja schon ein Anfang. Wir machten die ersten Fotos und schauten genauer den Himmel an. Da…, ein grauer Schleier. Wir hatten doch erst vor 2 Tagen im „Nordlicht-Museum“ in Reykjavik erfahren, dass das menschliche Auge nur so einen Schleiersieht. Schnell das Handy hoch und mein erstes Nordlicht gesehen (nur mit Kamera möglich). Dann wurden mit Stativ die ersten Fotos gemacht, siehe da, unsere ersten grünen Nordlichter scharf fotografiert! Auch der schöne Vollmond wurde von uns im Bild festgehalten. Aber es war sau kalt, dass ich meine Kamera nicht halten konnte. Ich setzte mich wieder ins Auto, aus der Seitenscheibe dann weiterfotografierend. Mike blieb tapfer draußen. Er bastelte auch am Stativ herum, um einen günstigen Fotoplatz zu finden. Noch ein weiteres Auto kam auf den kleinen Parkplatz zum Fotografieren. Wir haben dann herrliche Aufnahmen gemacht, 1h lang. Wir machten uns dann doch auf den Rückweg. Doch ein Stopp musste dann doch noch sein. Der Vollmond strahlte die verschneite Bergwelt an, und das musste auch im Foto festgehalten werden. Mond, angeleuchtete Berge und darüber der Große Wagen, einfach ein tolles Motiv.

23 Uhr kamen wir dann durchgefroren in der Unterkunft an. Eine große italienische Gruppe saß laut im Essraum. Uns war das fast zu laut. Wir setzten uns dazu und haben noch etwas gegessen.
24 Uhr. Geschafft - aber überglücklich sind wir in die Betten gefallen.

 

 

6. Tag  -  Donnerstag, 23.09.2021   -  

 
































































































 

8:30 Uhr Frühstück mit den lauten Italienern

10:00 Uhr Verlassen der Unterkunft. Es regnete wieder.

10:30 Uhr Mike will am Geldautomat schnell Geld holen, ich wartete im Auto. Er kam ewig nicht und rannte, mit einem Zettel in der Hand, aufgeregt zurück. Mit einer Telefonnummer und einer Bankadresse !!?? Unsere VISA-Card war im defekten Automaten steckengeblieben. Was für ein Wahnsinn. Wir fuhren zu dieser Bank und schlugen Alarm. Wir wollten ja an diesem Tag in Richtung Osten fahren, und eine Kreditkarte benötigt man da schon. Ruhe bewahren, hinsetzen und warten! Wir wurden sehr freundlich von Schalter zu Schalter gereicht. Keine halbe Stunde später kam ein Service-Mitarbeiter und brachte unsere Karte in die Bank. Nach Kontrolle der Pässe freuten sich alle, dass wir es waren. Wir bekamen die Karte zurück, holten problemlos Geld am Automaten der Bank und brachen auf unsere Island-Rundfahrt auf.

...na der Tag fing ja gut an…

Zuerst ging es noch zum Tanken, für 260 Kronen/l (1,50€). Das Tanken funktioniert nur mit Kreditkarte an der Tanksäule! Eine Barzahlung ist nicht mehr möglich.

Wir fuhren durch Reykjavik und verließen die Stadt auf der A1. Eistropfen klatschten an unser Auto. Die undichten Türfenster hielten sich aber wacker. Wir fuhren vorschriftsmäßig zwischen 70km/h und 90 km/h.

Wir kamen immer höher, ein Gebirgspass mit knapp 450 m Höhe musste überwunden werden. Der Schneefall wurde immer dichter, und damit die Straßen immer weißer. Alle fuhren aber schön ordentlich langsam, bis zu einer Steigung. Die ersten Autos waren schon liegengeblieben. Wir warteten vor der Steigung und überlegten für uns einen Plan B. Nach so kurzer Zeit sollte doch unsere Inselrundfahrt nicht schon wieder zu Ende sein. Doch nach wenigen Minuten war der Winterdienst schon zur Stelle. Ein Schneepflug überholte uns, zum Glück. Wir nutzten gleich die Gunst der Stunde und fuhren auf der frei geschobenen Strecke hinterher.

Es wurde immer kälter, die Bahn war glatt und 20-30km/h waren nur noch drin. Wir kämpften mit unseren abgenutzten Sommerreifen um jeden Meter, bis wir schließlich den Kamm überquert hatten. Es war uns niemand gefolgt. Wir hatten bestimmt Glück, schnell von der verwehten Fahrspur weggekommen zu sein.

Ein Talblick verriet uns, wir fahren wieder ins Grüne. Die Straße wurde wieder schneefrei. Wir erreichten glücklich Hveragerdi – Islands Gartenstadt. Die Stadt liegt inmitten eines Geothermal-Gebiets und wurde zum Zentrum für Gartenanbau. In Gewächshäusern (Thermalbeheizt) gedeihen Tomaten, Petersilie oder Erdbeeren. Viele Thermalquellen gab es hier zu besichtigen. Es war aber kalt und es regnete noch immer. Da machte das alles keinen so richtigen Spaß.

Kurzer Einkauf im BONUS (Kaufland) um die Lakritz-Reserven wieder aufzubessern.

Trotzdem den Geothermal-Park angesehen und lustig an der Angel 2 Eier im 100 Grad heißem Wasser gekocht und gegessen, waren zwar sehr weich nach 8Minuten, aber war super lecker. Kleinen Snack zwischendurch. Der anschließende Rundgang war im Regen nicht so schön, einige Quellen waren durch Erdbeben leider versiegt.
15:00 Uhr, weiter umgesehen im Ort. Auf einem kleinem deutschen Stadtführer Reykjadalur gefunden. Den dazugehörigen Parkplatz genutzt, um dann einen Bergaufstieg mit 3,5km Weg zur Badequelle zu erreichen. Also Badesachen mitgenommen und den sehr steilen Berg, mit viel Schneematsch auf den Wegen, erklommen. Wir haben uns durchgerungen, diesen Berg /Tour zu machen trotz Regen, aber es liefen so viele da hoch, da mussten wir einfach auch mit. Unterwegs einige Schlammquelle gesehen, da werde ich sicher auf dem Rückweg Schlamm mitnehmen für mein Knie. Der Aufstieg dauerte dann doch etwas länger, fast 2h brauchten wir bis zu Badestelle. Die Wege waren mit Schnee bedeckt und wir hatten nicht die richtigen Schuhe an. Oft ging es steil und unwegsam nach oben. Mühselig erreichten wir dann die Badestelle. Einige Holzwege und Bänke standen uns bereit, zum Umziehen und in dem Bach zu baden. Einige Wanderer lagen schon drin, Mike dann auch. Ich war aber nur mit den Füßen drin, aber schön warm war der Bach. (Ich hatte ja Thrombosestrümpfe an, das An- uns Auszehen wäre beschwerlich geworden).

17:30 Uhr dann der beschwerliche Abstieg, es regnete mal mehr, mal weniger, aber immer unangenehm. Wir waren durchgeweicht, die Schuhe wieder voll Wasser, alle Klamotten trieften. Insgesamt waren wir 7 km gelaufen, und Schlamm habe ich auch noch mitgenommen.

18.30 Uhr, uns standen jetzt noch 114 km zum nächsten gebuchten Hotel bevor, jetzt aber los!

Der Dauerregen erschwerte die Fahrt, er hörte auch während der ganzen Fahrt nicht auf. Den Sonnenuntergang haben wir gar nicht bemerkt, die Wolken hingen tief und wir waren durch die Wanderung geschafft und froren. Die Autoheizung war auf volle Pulle gestellt, damit auch die Scheiben nicht so sehr anliefen. Ich war dann der Lüftungs- und Heizungs-Chef im Auto.
Kurz vor unserem Ziel sahen wir unerwartet einen riesigen angestrahlten Wasserfall, der noch einmal unsere letzten Energiereserven zum Fotografieren herauslockte. So angestrahlt wirke er sehr mystisch. Vor Kälte klappernd, rannten wir wieder ins Auto zurück und fuhren dann endlich zum Hotel.

21:00 Uhr: Ankunft in Skogar. Einige Schafe auf der Straße begrüßten uns. Das Hotel Kverna jedoch nicht gleich. An der Rezeption kam dann doch jemand und übergab uns die Schlüssel. Da wir eh sehr spät da waren, haben wir gleich eine Nacht verlängert, (85€).

Ich wollte nur noch drei Dinge an diesem Abend: eine heiße Dusche, einen heißen Tee und … ein Bett! Zu meinen Knieschmerz gesellte sich nun noch ein kleiner Muskelkater. Nur gut so, da sind die Knie wenigstens nicht alleine.

I

7. Tag  -  Freitag, 24.09.2021   -   … und Charlottes 5. Geburtstag

 

































































































































































 

 

Herrliches Frühstück in Unterkunft, der Wirt sprach etwas deutsch, und es war ein reichliches Essenangebot; Der Wirt strahlte über alle Backen mit seinem Vollbart. Er war glücklich, dass so viele Gäste bei ihm im Hotel waren. Ein nettes Schild wies darauf hin, dass man bitte kein Essen mitnehmen sollte. Nur das, was man hier isst! Ansonsten würde man schon sehen, was die Feen mit einem machen (bestrafen?)

10:00 Uhr los; Ziel: Nur noch einmal schnell zum Seljalandsfoss Wasserfall!

1.         Stopp: Die Straße Nr.1 (Rundweg um Island) ist super ausgebaut und es fährt sich ausgezeichnet. Heute schien die Sonne und wir konnten uns wieder mal nicht am satten Grün der Wiesen und Felder und Felsen und Berge satt sehen. Ein paar alte Steinhäuser aus Felsengestein erbaut und mit einem dicken grünen Grassodendach weckte unsere Neugier. Über eine praktische Holzleiter musste man den Maschendraht übersteigen, der zum Tierschutz gedacht war. Direkt in den Felsen wurden Höhlen gegraben und ein aus riesigen schwarzen Felsbrocken eine Art Häuschen davor gebaut. Das simple Haus bestand aus der Höhle im Felsen und innen einer Holzkonstruktion als Trennung für die Tiere. Noch heute werden diese für Tierunterstellung genutzt. Dazu eine alte Mini-Kirche ebenso errichtet, fertig war das Dorf. Leider schon sehr alt und verlassen oder sogar schon eingefallen. Das Betreten auf eigene Gefahr. Aber ein kleines Stein-Puppenhäuschen mit Brunnen zeigte uns, dass hier sicher noch eine gute Elfe wohnt und das Anwesen bewacht …! 😊

2.         Islands Märchen und Sagenwelt ist einfach herrlich und die Feen und Elfen, die Trolle und Wichtel spielen da immer eine ganz große Rolle. Und daran wird fest geglaubt, ohne Ausnahme. Auch um die Weihnachtszeit gibt es keinen Weihnachtsmann, sondern bestimmte Trolle und Wichtel, die ihre tägliche Aufgabe über die Weihnachtszeit haben.
Nächster Zwischenstopp: Mit Rückansicht auf einen schönen Wasserfall haben wir für Charlotte zum 5.Geburtstag ein Video gesendet mit Geburtstagsgrüßen.
2. Zwischenstopp: Eine kleine Kirche am Meer mit grünen Fenster zog mich magisch an. Die Sonne schien herrlich durch. Einige Isländische Pferde standen auf der Koppel und äßen. Robustes und nicht zu groß, kurzes festes dichtes Fell, lange Mähne, kräftige Beine. Genau das richtige Pferd für diese raue Gegend. Wir beobachtet sie eine Weile und machten schöne Fotos von ihnen. Den nahegelegenen Friedhof haben wir mal kurz angeschaut und die vorbeischwirrenden Vogelschwärme beobachtet. Konnten aber leider nicht feststellen, welche Vögel das waren. Möwen waren es nicht, dafür flatterten diese zu sehr mit ihren Flügeln.

3.         Zwischenstopp: Zur Paradisarhellir=Paradieshöhle; sie befindet sich 700m vom Parkplatz entfernt lt. Wanderhinweis. Und es ging gleich mal über eine völlig durchnässte Wiese, (logisch, nach dem viele Regen), wo wir mit den Schuhen bis zum Knöchel eingesunken waren. Die Schuhe waren randvoll mit Wasser. Ein japanisches Pärchen folgte uns zur Höhle, die wir entdeckten, weil wir den Übergang über den Drahtzaun nutzten. Der Eingang zur Höhle nur was für Klettermaxen. Ein Höhleneinstieg in 10 m Höhe im Felsen war nur über Seil mit Schlingen und einer Kette und eigener Muskelkraft erreichbar. Mike ist allein in Höhle, ich habe gewartet. Das andere Pärchen folgte ebenso über diese Strickleiter. Die kleine Höhle diente als Unterschlupf eines Gesetzlosen im 16.Jh., Runnenzeichen zeugen davon. Der Rückweg wieder über die nassen Wiesen, egal, Schuhe eh nass, die ich dann im Auto erst mal ausgeschüttet hatte und dabei bemerkt, dass sich die Sohle löst! Lösung: Tüten über Füße und Schuhe mit Handtuch ein wenig getrocknet, so gut es ging. Heizung auf Füße gestellt und weiter.

4.         Stopp: Seljalandsfoss: Diesen Wasserfall hatten wir in der letzten Nacht schon einmal besucht, aber im angestrahlten Zustand. Heute im Sonnenschein. Der mächtige und bekannteste Wasserfall von Island ist 65 m hoch, und das Wasser fällt tosend von den Klippen ins Tal. Man kann sogar hinter den Wasserfall laufen. Wir hatten herrliches Fotowetter – Sonne! Weitere Wasserfälle in den nächsten 300m waren zu bestaunen. Bei dem Gljufrabui mussten wir sogar durch ein Steintor in die Höhle, wo der 30m hohe Wasserfall hineinfällt. Wieder nass! Und die Kamera auch ganz schön feucht geworden.

5.         Nächster Halt: Museum vom Vulkan Eyjafjallajokull. Viele werden sich noch daran erinnern. Es zeigte beeindruckend im Bild (der Vulkan ist unmittelbar uns auf der gegenüberliegenden Straßenseite) vom Ausbruch des Vulkans am 14. April 2010 mit den Folgen, das der ganze Flug in Europa lahmgelegt wurde.

6.         Letzter Stopp: Gletscher Solheimajökoll mit Gletscherzunge angeschaut. Beeindruckend, denn wir konnten bis zum Gletschermaul hineingelaufen, wo schön hellblaues glasklares Gletscher-Eis zu sehen war. Es tropfte überall herab. Wir durften aber nicht auf den Gletscher, nur Geführt mit Eispickel und Guide. Aber im See davor (der beeindruckende 60m tief ist), schwammen schöne hellblaue abgekalbte Eisbrocken. Viele Fotos wieder gemacht, und ich hatte glasklares Eis im Mund. An den Wänden der anliegenden Felswände sah man die Abschliffe des alten Gletschers, der nicht mehr zu sehen ist. Früher war er mal viel weiter zum Meer hingestreckt und nun hat er sich auf über 1 km zurückgezogen. Ein schönes Naturschauspiel. Wir waren begeistert.

7.         Nun aber der wirklich aller letzter Stopp; in Sgokar hauseigener Wasserfall direkt vor unserer Tür noch schnell angesehen, wo selbst Justin Biber ein Video gedreht hatte.
18:30 Uhr: nun aber Schluss für heute. Ich hatte echt kalte Füße! Aber die Tütenlösung war eine wunderbare Rettung. Morgen kauf ich mir neue Schuhe!
19:30 Uhr: nur noch heiß Duschen, dann ein kleines Abendbrot und die Planung der Weiterreise. Die Buchung der nächsten Unterkünfte 26km nach Kirkjubaejarklaustur das Hvoll Hostel/Gästehaus (1 Nacht/95€) und Höfn (2 Nächte 152€).

8.         Nach Nordlichtern Ausschau gehalten, aber ohne Erfolg. Na dann eben ohne grünes Licht ins Bettchen.

 

 

8. Tag  -  Samstag, 25.09.2021   -  

 





























































































































































 

09:00 Uhr lockte uns schon der schöne Sonnentag zeitig raus zu dem naheliegenden Wasserfall Skogafoss. Schön lag er an dem Morgen in der Sonne und ein kleiner Regenbogen bildete sich über dem Wassernebel. Er ist einer der größten Islands. Eine Sage erzählt, dass der erste Siedler von Skogar eine Kiste mit Gold dort versteckt haben soll. Ein Junge wollte sie sich holen, bekam aber nur den Griff zu fassen. Dieser goldene Ring liegt jetzt im Museum und bei Sonnenschein schimmert das Gold durch den Wasserfall.
100 kleine Treppen am Hang erklommen wir, um dann einen schönen Draufblick auf den 60m tiefen Wasserfall und Rundblick auf die satte grüne Wiesenwelt mit den Heideschnucken zu bekommen. Aber da oben war so ein Wind, dass es einem fast die Mütze vom Kopf wehte. Kleine halsbrecherische Fotos auf einer Felsspitze noch gemacht und dann wieder runter zum Auto.
Der Ort Sgokar hatte noch mehr zu bieten. Ein Museum mit Freilichtmuseum und Technisches Museum in einem. Fast zwei Stunden hatten wir darin verbracht, um uns die Geschichte von Island und ihren Bewohnern anzuschauen. Von Hausbau, Schulwesen, nützliche Küchengeräte und Wohneinrichtung, Schmiedeeiserne Waren, Pferdegeschirr, Seefahrerei, Lederwaren und Postgeschichte und alte Klöppelarbeiten, alles das konnten wir uns ansehen. Und eine riesige Handysammlung von allen einmal benutzten Handys in Island (jeder Handy Typ einmal) konnten wir bestaunen, dann die ersten Stromkabel und Funkverbindungen. Ein Museum, was man wirklich besuchen sollte. Und für 2000 Kronen/p.P. war in Ordnung.

Weiter auf der Nr.1. Die ersten Wolken sind nun doch schon aufgezogen und der Blick in die Berge verschleierte sich immer mehr. Wir fuhren nicht schnell, denn wir wollten ja was von der Landschaft sehen. Dicke Lavablöcke, weiter Geröllebenen und Moosbedeckte Felsen säumte unsere Straße. Ein Jeep raste in Höhe von Solheimasandur an uns vorbei und bog knapp vor uns auf einen gut besuchten Parkplatz ein. Warum stehen da so viele?

Die Lösung erklärte sich in einer aufgestellten Tafel ganz schnell. Das berühmte Flugzeugwrack am Lavastrand, eine Touristenattraktion schlecht hin. Die wollten wir auch sehen. 1973 im Winter musste ein Douglas C-117D der US Navy auf dem Lavastrand notlanden. Es gab keine Verletzte. Die Maschine wurde ausgeräumt und der leblose Körper, der Rumpf blieben einfach liegen. Anziehungspunkt nun für viele und der wohl meist fotografierte Ort. Ein Shuttle-Bus fährt für 2000 Kronen die etwas Fußfaulen die 3,5km hin und die 3,5 km auch wieder zurück. Wir aber haben uns den Weg über das kahle Lavafeld tapfer erbissen, trotz Sturm und am Ende einsetzenden Regen, waren wir in 1,5h hin und wieder zurück! Rekord für 7km für mich!
16:30 Uhr. Ein stürmischer Nieselregen begann unangenehm uns zu attackieren. Schnell ins Auto und weiter. Nur noch ein Ziel hatten wir heute auf dem Plan, die zwei Steinbögen im Meer. In Myrdalur versuchte ich das erste Mal, mir ein paar neue Schuhe zu kaufen. Aber die Preise für so ein paar Sportschuhe haben mir fast die Schuhe ausgezogen…! Die wollten 157-190€ für einen guten Schuh, gebe ich zu. Aber das würde jetzt doch unsere Urlaubskasse sprengen.

Nach Dyrholaey verließen wir die Nr. 1 und fuhren in Richtung Küste zu den Bögen. Jedoch pfiff hier ordentlich ein eiskalter Wind und wir mussten uns ganz schön beeilen, um ein paar ansehnliche Fotos einzufangen.

So kräftig durchgelüftet waren wir dann doch reif für die nächste Unterkunft und bis dahin waren es noch 114 km. Wir ließen uns trotzdem nicht aus der Ruhe bringen. Weit und breit war hier lange kein Haus zusehen, und dann doch die einzige Oase mitten in dem Lavafeld, weitab vom Schuss ein Licht! Pünktlich 19:20 Uhr kamen wir im großen Gästehaus Hvoll an und waren hier nicht die Einzigen. An der Rezeption arbeitete eine älter Dame. Stolz berichtete sie uns, dass ihre Schwiegermutter aus Torgau kam.

Sicher haben viele die günstige Unterkunft (79€) bei Booking.com gesucht und gebucht. Der Lärm im Essenraum erschlug einen fast. Zuerst mal Schuhe aus! Es gab wieder Küchenräume, Geschirr, Besteck und Wasserkocher. Alles da. Wir aßen Abendbrot, es gab heute mal Joghurt mit Marmelade, und Röstschnitten mit Knobi und Käse.

Auch heute hatten wir wieder kein Glück mit den Nordlichtern. Außerdem kamen noch bis spät in der Nacht immer wieder neue Gäste. Und der Lichtkegel der Autos störte ständig.
Mitternacht – gute Nacht. Morgen geht’s weiter.

 

9. Tag  -  Sonntag, 26.09.2021   -  

 




















































































































































Nach dem wir den lärmenden Frühstücksraum gegen 9:30 Uhr hinter uns gelassen hatten, ging die Fahrt weiter auf der N1.
Da uns der Tank ein wenig leer vorkam, sind wir noch mal 26km zurück nach Kirkjubaejarklaustur gefahren, um uns mit Sprit volllaufen zu lassen. Der N1-Chip am Autoschlüssel ermöglichte uns einen kleinen Tankrabatt (statt 260K nur 257K) und das bei jeder Tankstelle N1! Und wie so oft hier in Island, wird alles gern mit VISA Card bezahlt. Mit Bargeld haben es die Isländer nicht so. Sehr fortschrittlich und praktisch.

Gleich neben der Tankstelle, auf der Straße 203, befindet sich der Kirkjugolfid, der sogenannte Kirchenboden, eine 80m² große Fläche aus sechseckigen, und von Gletschern glattgeschliffenen Basaltsäulen. Wir turnten ein wenig auf den Basalt herum, machten Fotos und setzten dann die Fahrt fort.

Schwere Naturkatastrophen durch Vulkanausbrüche und Gletscherläufe haben die Landschaft geprägt. In dieser Gegend ergoss sich 1783 von der Kraterreihe Lakagigar der wohl größte Lavastrom der Erde in historischer Zeit aus einem einzigen Ausbruch. Aus einer 25km langen Spalte ergoss sich Lava mit einem Volumen von 16 km³ (Flächenmaß 580km²).
Nächster Halt: Skaftafell –Nationalpark. Schon von weitem begeisterte uns die schneebedeckte Bergkette, die sich am Horizont erstreckte und uns regelrecht anlockte. Das Wetter hatte es mit uns heute gut gemeint. Sonne und die Bewölkung nahmen von Kilometer zu Kilometer ab. Die Bergwelt erstrahlte im schönsten Sonnenschein. Rechts zog sich die flache, vom Gletscher und Wasser geformte flache Weiden und Wasserausläufe zum Meer. Auf den grünen Wiesen tummelten sich Unmengen dickwollige knubbelige Schafe und langmähnige rassige Island-Pferde. Braune Kühe mit rotbraunen Streifen sah ich noch nie und schneeweise Singschwäne mit gelben Höckern um die Schnäbel, behüteten ihre Jungen, noch mit grauem Gefieder gut erkennbar. Die letzten schwarz–weiß gefiederten Weißwangengänse auch Nonnengans sammelten sich hinter den wenigen windgeschützten Hügeln des Deichvorlandes, um sich vor ihrem Abflug zu ihrem Winterquartier vorzubereiten. Größere V-förmige Flugformationen zogen über uns hinweg. Beeindruckender Vogelbeobachtung.

Die Ringstraße war sehr gut ausgebaut. Mit 90 km/h sind wir gut durchgerollt, wenn da nicht immer irgendwelche Highlights unterwegs gewesen wären. Auf der nächsten Raststation sahen wir verbogene Brückenteile und Stahlträger. In Bildern wurde beeindruckend dokumentiert, wie die Naturgewalt hier mit den Bauten der Menschen umgeht. 1996 wurde bei dem letzten Gletscherlauf, ausgelöst durch einen Vulkanausbruch der Grimsvötn, durch Wassermassen und Eisblöcke und Geröll die längste Brücke Islands völlig zerstört, aber gleich wieder gebaut. Wir könnten neben ihr herfahren, befahrbar war sie aber (noch) nicht. Ein Erinnerungsfoto vor den Resten der Brücke musste sein.

Gletscher Skeidararjökull: Ein einfach angelegter Parkplatz im Schotterbereich nutzten wir zum Abstellen unseres Autos. Ein größeres Info-Center zeigte eine kleine Ausstellung, wo zwei englische Studenten 1953 in dem Gletscher verschollen waren und Reste von ihrer Ausrüstung 2009 wiedergefunden wurden.

12:30 Uhr. Wir schnürten unser Rucksäckchen und den Wanderstock, bezahlten per EC unsere Parkgebühr (750K) und auf ging es, einen kleinen Wanderweg direkt zum Gletscher. Das Wetter war heute immer noch auf unserer Seite. Kein Regen in Aussicht. Nur ein wenig Wind, aber das waren wir ja nun die letzten Tage schon inzwischen gewohnt. Die Sonne schien herrlich bei hellblauem Himmel. Die Wolken verzogen sich sogar über dem Gletscher und legte seine blendend weiße Schneekuppe frei.

Trotz der vielen Touristengruppen, die uns überholten oder uns entgegenkamen, liesen wir uns nicht entmutigen, weiterzuwandern. Der Blick links und rechts in die Natur ließ uns sowie so nicht schneller werden. Da eine frische Blaubeere oder rotbäckige Bärentraube leuchtete vom Boden, dazwischen einige Pilze und Mini-Weiden.

Der markierte Schotterweg führte direkt in das breite Flussbett des Gletschers. Größere und kleinere Geröllsteine lagen nun im Weg, über die wir uns tapfer vorarbeiteten. Die Wassermassen rauschten an uns vorbei, die aus dem Gletscher hervorkamen. Der Eispanzer erhob sich mächtig vor uns auf. Die viele angewehte schwarze Asche ließen die Eisblöcke schwarz aussehen. Leider kein so typisches Türkisblau, was wir erwartet hatten. Wir kletterten noch einige Meter am Rand des Gletschers entlang, bis der Weg für mich einfach zu schwer wurde. Ich ließ Mike einfach noch ein paar Meter weiter nach oben krackseln, dann kehrte er um, mit der Erkenntnis, dass da oben der Gletscher immer noch so schwarz war.
Zurück ließen wir uns echt viel Zeit. Das Wetter war aber heute auch zu schön. Es gibt einen isländischen Spruch: „Wenn das Wetter dir zu schlecht ist, dann warte 5 Minuten!“ … herrlich, aber heute brauchten wir nicht zu warten.

Wir fanden unterwegs auf dem 1,8km langen Rückweg einige Pilze, machten damit lustige Bilder, so, als ob wir auf dem Pilz tanzten und erfreuten uns einfach an der Natur. Ich entdeckte noch an der steilen Felswand schöne schwarze Basaltkuben. Reste eines Vulkanschlotes und daneben eine schöne Auffächerung solcher Basaltsäulen, die unter Druckveränderung die Auslauf Richtung geändert hatten. Die Bergspitzen waren nun völlig wolkenfrei und wir wussten gar nicht, was wir zuerst fotografieren sollten.

Dann aber zurück zum Auto. Im Info-Center erstanden wir noch günstig ein Buch über Trolle, zum Vorlesen für die Enkelschar und eine Vogelkunde-Schaukasten erklärte uns was zu den Eiderenten und ihren Eiderdaunen, die für die hochwertigen und teuren Daunendecken-Füllung genutzt werden. (1000g=4500€)

18:00 Uhr. Langsam zog der Abend über uns herein. Die Abende ziehen sich eh vom eigentlichen Sonnenuntergang bis zum wirklich dunkel sein sehr langsam herein. Gut für uns. Wir konnten die Tage immer bis 18:30 Uhr gut noch etwas unternehmen. Wir fuhren weiter bis zum nächsten gut gefüllten Parkplatz, was immer eine Attraktion versprach.
In dem Gletschersee schwammen beeindruckend hellblaue abgekalbte Gletscher-Eisberge. Ein kleiner Rundweg am Ufer eröffnete für uns ganz neue Perspektiven. Denn am Ufer lagen Schlauchboote und eins legte eben wieder an und gab seine begeisterten Gäste wieder frei. Eine Bootsfahrt zum Gletscher – na wie genial ist das denn. DAS wollen wir auch!
Die Kosten-Info (7900K/p.P.) hat uns zwar erst mal die Mitfahrlaune etwas gedämpft, aber bis zur Entscheidung wollten wir erstmal drüber schlafen. Abfahrtszeiten aller Stunden eine Fahrt war ok.

Weiterfahrt am schwarzen Küstenstreifen Breidamerkursandur. Unsere Ringstraße führte uns über eine große Hänge-Brücke, die über einen breiten Abfluss hinüberführte. Zu unserem großen Erstaunen führte das Wasser einige Eisblöcke mit sich, die somit dann ins Meer gelangten. Der große Strand besteht aus grobem, schwarzem Sand, den die Gletscher und Gletscherflüsse hier abgelagerten. Bis hierher gelangen die abgekalbte Gletscher-Eisstücke und werden von Wasser und Wind zerkleinert. Wie weiße Diamanten liegen die Eisstücke im Sand und werden von den Wellen umspült. Es glitzert überall… am Diamanten-Strand.

Uns das heute Abend noch näher anzuschauen, war es einfach zu spät. Wir mussten ja schließlich noch 80km fahren zu unserer nächsten Unterkunft in Höfn. Wir hatten die Straße fast für uns allein und konnten mit guter Durchschnittsgeschwindigkeit von 90km/h unserem Abend entgegenfahren. Aber … so ganz allein waren wir dann doch nicht auf der Straße. Eine fast Vollbremsung verhinderte die Kollision mit 4 Schafe, die einfach mal heute Abend die Seite wechseln wollten. Das war echt knapp. Nur 2m trennten uns von dem kleinen schwarzen Schäfchen, was noch hinterher hopste. Von links nach rechts …? Gilt hoffentlich nicht bei Schafen.

Höfn: Schon 30km entfernt leuchtete uns schon eine helle Lichterkette am Horizont an. Ein doch recht großer Ort mit 1710 Einwohnern. Ohne weiteren Zwischenfall erreichten wir dann unser Höfn-Guesthouse, direkt über der Post. Einfach nur auf den Knopf gedrückt, ein Anruf getätigt, mit der Wechselsprechanlage gesprochen, den Code erfahren, die 4-stellige Nummer in den Barcode-Kasten eingedreht und plumps, fällt ein Schlüssel mit der Nr.5 heraus zur Eingangs-Tür. Rezeption und Anmeldung wird hier völlig überbewertet. So einfach geht das. Null Personal muss auf uns warten.

20:20 Uhr. Gepäck abgeworfen und heute soll es mal in ein Restaurant-Abend werden. Der erste Versuch, einen netten Abend mit einem leckeren Essen zu verbringen, schlug fehl. Im ersten Restaurant gab es fast 45 Minuten Wartezeit, um einen Tisch zu bekommen. Ok, auch nach Einsicht in die Speisekarte ließ unsere Reisekasse ein Warten sowieso nicht zu.

Im nächsten Restaurant war die Küche schon geschlossen. Aber im dritten hatten wir Glück, Küchenschluss erst 21:00 Uhr. Also schnell rein ins warme Stübchen und etwas Leckeres bestellt. Einen übervollen Teller mit Lobster (Garnelen) vom Nachbartisch sprang uns ins Auge. Aber wir entschieden uns dann für die einfacher Variante, Pasta mit Lobster und ein großes Bier dazu.
21:40 Uhr. Wir waren die Letzten. Satt und um fast 60€ !!! erleichtert verließen wir das Lokal. Danach wurde abgeschlossen. Harte Sitten hier.

Nun wollten dann noch einen Versuch starten, ein Nordlicht einzufangen, was aber nur in dem Versuch blieb und wir erfolglos dann den Heimweg antraten.
Der Tag war wieder einmal gefüllt mit so vielen Erlebnissen und Eindrücken. Wir vielen geschafft in die Betten.

 

 

10. Tag  -  Montag, 27.09.2021   -  

 





















































































 

Der Morgen zeigte sich mit leichter Bewölkung und den ersten Sonnenstrahlen. Das wird ein toller Tag. Also raus aus den Betten und Frühstück gemacht. Die Unterkunft erwies sich als sehr nobel und angenehm. Eine kleine Küchenzeile erlaubte uns, Kaffee und Toast zuzubereiten. Butter und Milch kam gekühlt aus dem Kühlschrank.

Wir wollten an den gestrigen Tag anknüpfen und uns die Schlauchbootsfahrt gönnen. Die 80 km waren uns noch guter Erinnerung. Kaum ein Touristenbus fuhr heute hier lang. Das Wetter war auch auf unserer Seite.

Gegen 11.30 Uhr kamen wir wieder an der schönen Hängebrücke an. Die vor der Mündung ins Meer aufgetürmten, hellblauen Eisberge leuchteten uns heute so sehr an. Wir mussten einfach anhalten und hier einen Zwischenstopp einlegen. Der kostenfreie Parkplatz war rammelvoll. Wir passten mit unserem Hüpfer gerade noch in eine Mini-Lücke. Alle wollten heute den schönen Tag an diesem, leider schon recht stark vermarkteten, Naturschauspiel verbringen.

 

 

 Plötzlich entdeckten wir eine Gruppe junger Leute, die sich fertig machten zu einer Bootsfahrt. Dicke schwarz-rote Jacken zogen sie sich über und eine Schwimmweste. Na, wenn das mal nichts ist. Vielleicht können wir sogar hier die Gletschertour auf dem Wasser erleben? Wir erkundigten uns und waren über den günstigeren Preis erstaunt (5900K/p.P.) In einem Amphibien-Fahrzeug sollte nun unsere Gletscher-Seefahrt stattfinden. Zuerst mit Rädern zum Meer, und dann per Boot weiter zum Gletscher. Cool!
Die Zeit bis dahin verwendeten wir mit Tierbeobachtungen. Denn an den Eisblöcken unter der Brücke schwammen junge Heuler/Seelöwen. Einige tauchten auf, schauten zu uns und wir konnten ihre kühnen Schwimmkenntnissen zusehen.
Start: 12:30 Uhr! Das passt – keine lange Wartezeit. Aufgeregt standen wir dann am Steg, um mit den anderen 6 Leutchen in das Boot einzusteigen. Dort erhielt jeder eine Schwimmweste und wir konnten Platz nehmen. Und schon ging die Fahrt los. Wir rollten über das Geröllufer direkt in den Gletscher-See.
25 Minuten fuhr das Boot uns um die vereinzelten riesigen abgekalbten Gletscher-Eistürme. Sehr imposant und auch der Vortrag vom Guide war informativ. Ein großer 1000 Jahre alter Eisbrocken wurde herumgereicht, und man konnte sich mit ihm fotografieren lassen. Alles gut und schön, aber warum fahren wir jetzt nicht endlich weiter zur Gletscherwand? Noch einmal um einen Eisberg und dann wieder zurück. Oh, da gab es zwei auf dem Boot, die ein wenig enttäuscht waren. Das war alles?
Mit hängendem Kopf, uns von diesem verlockendem Angebot ein wenig geblendet zu haben, zogen wir von dannen. Wir folgten noch dem Hinweis, den Diamanten –Strand anzusehen, was wir auch dann machten.
Die Idee mit dem Schlauchboot zu fahren blieb. Und wir setzten sie in die Tat um. Ohne zu zögern fuhren wir die paar Meter weiter zu dem uns bekannten Parkplatz. Schnell entschlossen kauften wir zwei Tickets (nicht ohne jedoch vorher gefragt zu haben, ob wir zum Gletscherwand auch wirklich fahren!) und schon hatten wir die dicken Jacken und die Schwimmwesten an und liefen zum Ufer zu den Schlauchbooten mit zwei anderen Mitstreitern.
Zu viert ging die Fahrt los. Erst langsam zwischen den einzelnen Eisblöcken, die genau so gigantisch waren, wie an dem vorherigen See. Uns wurde wieder alles schön erläutert, warum die schwimmenden Giganten hellblau sind und wie der Gletscher über das Jahr hin tickt.
Dann holten wir endlich Fahrt auf und es ging Richtung Gletscherwand. Wir fotografierten diesen Augenblick und wollten ihn mit all seinen Zügen einfangen. Die Gletscherzunge war ca. 3km breit und das Eis türmte sich auf 20m auf, wo die einzelnen Eisfelsen von Zeit zu Zeit abbrachen (abkalben). Nur ein Drittel des gesamten Berges schwimmt sichtbar oberhalb, der größere Rest verbirgt sich gefährlich unter der Wasserkante. (siehe Titanic!)
Nach 20 Minuten vor der Wand, vielen Fotos später, fing es erst leicht dann immer stärker an, zu regnen. Zum Glück hatten wir dicke regenfeste Kleidung an. Wir schützten unsere Apparate so gut es ging. Aber es war uns egal, denn der Blick auf solch ein Naturschauspiel war es uns wert. Die Einmaligkeit sowieso. Am Ufer angekommen, mussten wir einfach noch mal stehenbleiben, um das erlebte zu verarbeiten. Schauten auf die Gletscherwand und plötzlich krachte es unüberhörbar aus dieser Richtung! Ein riesiges Stück Eis brach in dem Moment lautdröhnend in den See. Na, wenn wir vor 5 Minuten noch dort gewesen wären, dann wäre das Spektakel perfekt gewesen.
Der Regen lies leide nicht nach. Schnell retteten wir uns glücklich ins Auto zurück. Das war ein berauschender Augenblick und tolles Erlebnis. Da störte dann auch der Regen nicht auf der Rückfahrt. Heute mal ein wenig früher in der Unterkunft. Vorher noch den nahegelegenen Netto leer gekauft. Heute wir selber gekocht. Zuerst Kaffee und Kuchen, dann Reis und Bohnen mit Tomatensuppe und Tee. 6 Eier für den nächsten Tag hart gekocht als Tagesverpflegung.
Der Abend verging wieder wie im Fluge. Wir mussten noch die neue Unterkunft für die nächste Nacht buchen. Leider hatte ich vor zwei Tagen am Abend ein wenig für Verwirrung gesorgt, da ich glaubte, Nordlichter gesichtet zu haben. Da war Mike ein wenig aus dem Buchungs- Rhythmus geraten und hatte bei Booking.com zuerst eine Stornierung und dann eine Doppelbuchung bei dieser Unterkunft verursacht. Und alles per PayPal schon bezahlt. Doppelt! Das wollte ich morgen früh noch klären.
Danach ging es aber ab ins Bett. Ein langer Tag steht wieder bevor.

 

11. Tag  -  Dienstag, 28.09.2021   -  

 









































































 

Gestern Abend ging es dann doch ein wenig spät ins Bett. Dafür sind wir erst 8.00 Uhr aus den Federn gekommen. Trotzdem nahmen wir uns die Zeit für ein schönes gemütliches Frühstück. Dann wurden alle Sachen ins Auto gepackt.

10.00 Uhr kam ich auf die grandiose Idee, unsere doppelte Fehlbuchung beim Chef des Hauses zu melden. Vielleicht können wir schon von hier etwas klären. Jedoch verzögerte sich damit unsere Weiterfahrt. Wir sollten warten, bis der Junior kommt und es dann mit ihm klären. Ok, dachten wir, dann schauen wir uns noch die Touristen-Information im Ort an. Es gab da ein sehr interessantes naturkundliches Museum. Auch wurde dort ein Film über den Ausbruch des Vulkanes ……. Und die große Gletscherflut1996, wo es die Brücke zerlegt hatte. Überreste konnten wir unterwegs ansehen. Wahnsinniges Naturschauspiel

Zurück in der Unterkunft konnten wir leider bezüglich der Doppelbuchung nichts vorher klären und sind unverrichteter Dinge dann abgezogen und weitergefahren.
Höfn ist eine doch recht große moderne Stadt, wo noch viel modernisiert wird. Der kleine Hafen mit seinen bunten Fischerbooten und die umgebauten alten Fischerhäuser in moderne Restaurants geben dem Städtchen ein neues Gesicht. Wir sahen viele junge Bauleute, die an der neuen Straße emsig werkelten und eine Musikschule. Lustig anzusehen war in Höfn eine Zaungestaltung aus Gummistiefeln und Wanderschuhen. Sie wurden fein säuberlich aufgefädelt und statt des Zaunfeldes die Schuhpaare hingestellt. Lustige Idee. Viele modernisierte Wohnhäuser im hellem Holz oder Anstrich gefielen mir sehr gut. Keine hohen Bauten, die wären hier sicher wegen den Unwettern unpraktisch, aber ein kleines schmuckes Eigenheime mit Vorgarten gönnte sich hier fast jeder, wie es gefällt. Industrie war sicher die Fischerei oder Metallhandel, aber am meisten florierte hier der Tourismus mit Unterkünften. Höfn hat sogar ein eigenes Bad mit Außenrutsche, aber leider hatten wir dafür nun keine Zeit mehr.

12:00 Uhr. Nun aber los, die Weiten der isländische Freiheit wieder genießen und über die herrliche Bergwelt staunen. Wir fuhren wieder auf der Ringstraße Nr.1, die sehr gut überall jetzt ausgebaut war. Noch vor ein paar Jahren war das nicht so, da fehlten hier und da noch ein Stück, um unkompliziert einmal um Island herumfahren zu können.
Djupivogur: Hier suchten wir nach einem bestimmten Museum direkt am Meer, welches eine umfangreiche Steinsammlung beherbergen soll. Nach der Adresse suchend, führte unser Navü uns direkt in die Steinschleiferei. Na das war doch auch schon mal was. Leider war das Tor zur Werkstatt verschlossen, aber es lagen Unmengen Steine vor der Tür, die unsere Augen leuchten liesen. Ein zufällig vorbeikommender Passant wies uns dann auf das Museum Audunn´s Steinwelt (Aduns Baldurssonar) unweit der Werkstatt hin, welches wir dann auch gleich aufsuchten. ZU! Oh, nun war guter Rat teuer. Und wieder hielt ein anderer Passant an und verwies auf eine Telefonnummer, was auf dem Plakat zu lesen war. Ok, das hatten wir und erklärten dem anderem, dass wir hier vor dem Museum stehen würden und uns dies gerne mal ansehen würden. Ok-er komme.
Wir schauten links und rechts, ob den jemand mit dem Auto den Schlüssel bringt oder irgendwas macht. Nichts. Drei Minuten später ging die Tür von innen auf! Oh, da war wohl der Steinschleifer selber etwas eingeschlafen? Er sah jedenfalls sehr müde aus. An den Wänden standen Regale voller geschliffener Steine aus der Umgebung. Oft 20cm hoch und wunderschön anzusehen. Roter und grüner Jaspis, braun marmorierter Opal, graublasige Calcitsteine und violetter Amethyst und rötliche Achat. Eine Augenweite für jeden Sammler und dabei wurde diese umfangreiche Sammlung nur von diesem einen Mann zusammengetragen und geschliffen. Alle Steine waren auf Hochglanz, für das er immer 4 Wochen benötigte, bis sie diesen Glanz hervorbrachten. Mit Korundsteine in einer Trommel werden die gefundenen Steine gereinigt und dabei poliert. Tausende mögen es wohl hier sein, die hier zu sehen gab. Ab er es gab auch welche zu kaufen. Ich entschied mich für einen wunderschönen grünen Jaspisstein, der die Farben der Nordlichter eingefangen hatte. Mike zog ein Calcitgestein magisch an. Wir gaben dem guten Mann dafür etwas Geld und waren happy.

Wir schauten uns noch etwas im Ort um, und entdeckten eine wundersame Ausstellung im Freien. 36 Steineier in überdimensionaler Größe zierten die Uferpromenade. Dazu wurde jeweils der isländische Brutvogel genannt, der dieses Ei in Form und Farbe legte. Gelungene Idee, dafür wurde auch Aduns Baldurssonar prämiert mit einem Künstler-Preis.
Nun aber weiter. Wir fuhren durch herrliche Bergketten und an langen dunkelblauen Fjorde entlang. Ständig eine Neuentdeckung am Wegesrand. Ob es mal tausende weiße Singschwäne waren, die auf einem See sich versammelten oder wilde Pferde auf einer Koppel. Oder wir standen auf einer tiefen Klippen am stürmischen Meer, wo weiße Wellen auf das schwarze Ufer schlugen. Einsame Leuchttürme oder interessante Lavaaufschichtungen, wo die Basaltsäulen noch deutlich zu sehen waren.

Steinasafn: Schon bei der Vorbereitung auf unsere Reise sind wir auf einen besonderen Ort hingewiesen wurden, den man unbedingt besuchen sollte bei seiner Rundreise. Sunnuhlid! Dort gab es eine ältere Dame Petra Sveinsdottir bis 2012, die ihr ganzes Leben lang Steine gesammelt hatte. Sie trug sie alle heim und bewahrte sie im Garten oder Haus auf. 70 Jahre sammelte sie alles aus der isländischen Umgebung und ist eine der bedeutendsten privaten Mineraliensammlung … und jetzt kommt´s … der WELT! Leider war es schon nach 17:00 Uhr und wir standen vor verschlossenem Tor. Aber wir wohnten ja nicht weit, somit lohnt sich eine Rückkehr hier her auf jeden Fall. Und schon ein neugieriger Blick über den Gartenzaun versprach schon einiges!

Unsere Straße führte an weiteren Fjorden gesäumt von schneebedeckten Bergen entlang und wir kamen km für km unserer Unterkunft nun endlich näher. Die weit ins Land reichenden Fjorde liesen nur ein Umfahren zu, damit wurde die Strecke immer länger. Ein 5,6km langer Tunnel erleichterte die Fahrt.

Eskifjördur: Unser End Ort für heute. 230km hatten wir heute geschafft, tanken waren wir auch zwischendurch. Die Unterkunft Mjoeyri empfing uns mit einem Pavillon, wo unser Empfangszettel an einer kleinen Wäscheleine mit unserer Zimmernummer hing. Richtig nett gemacht!

Wir wohnten am letzten Zipfel der Landzunge. Ein griffiger Wind wehte über das freie Meer uns um die Ohren. Es handelt sich hier um eine Reihe kleinere rote Holzhäuschen mit weißen Fenstern, die für eine längere Übernachtung gedacht waren, und überall stand auch ein Auto davor - also ausgebucht! Wir waren im Gästehaus untergebracht in einem hübschen kleinen Zimmer. Völlig ausreichend. Eine Mini-Küche zum Teekochen war vorhanden. Einige andere Touristen waren schon auf ihren Zimmern, aber mit ihnen hatten wir nicht viel zu tun.
Auch wenn wir vielleicht heut nicht allzu viel gesehen oder erlebt hatten, schafft es einem immer wieder, bei einer Neuentdeckung, die wir im Foto festhalten wollten, aus dem kleinen warmen Auto in die Kälte auszusteigen und die dicken Jacken überzuwerfen und sich gegen den Wind und die Kälte zu wappnen. Manchmal hatten wir schon minus 1 Grad und Schnee, wo es in Deutschland noch mit kurzen Hosen und Kleidchen wie im Somme zugeht. Aber abends waren wir ordentlich durchgepustet und rotbäckig. Naja, und die Frisur unter der Mütze, die ständig auf und abgesetzt wurde, kann man sich vorstellen, ist am Abend nur noch eine zerzauste ungebändigte Haarpracht. Wir bereiteten uns gleich ein Abendbrot zu, Suppe, Brot, Knoblauch, Käse, Tee und einem Puddingsüppchen. Fotos anschauen und etwas schreiben. Danach waren wir auch müde genug. Bettzeit.

 

 

12. Tag  -  Mittwoch, 29.09.2021   -  






















































































































































































In den kuscheligen Betten hielten wir es etwas länger aus. Trotzdem mussten wir raus, denn der Tag versprach viel. Das Wetter war einfach mal genial, um eine kleine Wanderung vorzunehmen. Jeden Tag schafften wir so zwischen 5-10 km mit einzubauen, um mal aus dem Auto rauszukommen, aber um auch die schöne Natur in all ihre Urgewalt und Schönheit zu erleben. Und da gibt es hier so viele verstecket am Wegesrand. Oftmals am Parkplatz zu erkennen, verbirgt sich oft dann ein kleines Highlight, was angesehen werden möchte. Am meisten gibt es hier Wasserfälle anzuschauen, davon scheint es ihr tausende zu geben.

Der Blick aus dem Fenster weckte Optimismus in uns und keine halbe Stunde später saßen wir schon, nach einem spärlichen Frühstück, in der kleinen weißen Kugel. Ich hatte sogar heute 3 Eier als Wegzehrung gekocht, notdürftig im Wasserkocher, das geht! Vor unserem Haus lag ein mächtiges Rentier-Geweih, Mike nutzte es, dies sich gleich mal als Spaß aufzusetzen. Ich nutzte es, eine Zahnextraktion durchzuführen.(rein aus dienstlicher Interesse!)

Wir verließen Eskifjördur nicht auf dem direkten Weg. Wir fuhren noch etwas am schönen Reydarfjödur-Fjord entlang. Die Sonne schien heute früh extra schön. Unweit unserer Unterkunft befand sich eine ehemalige Calcit-Helgustadir-Mine. (=Island-Holm; Spar/Doppelspat) Überreste lagen weit verstreu noch am Hang und auf den Wiesen herum. Man musste sich nur noch bücken, um die weißen Kristalle aufzuheben. Von ganz kleine Splittern bis Faustgroße Stücke entdeckten wir auf unserer Tour durch die Abbau-Halde. Mitte des 17. Jh. bis zum 20. Jh. wurde dies hier abgebaut.

Der Island-Holm ist möglicherweise der isländische mittelalterliche Sonnenstein, der verwendet wurde, um die Sonne am Himmel zu lokalisieren, wenn sie nicht sichtbar war. Er besitzt die Eigenschaft der Doppelbrechung. Objekte durch den Kristall gesehen, erscheinen doppelt. Die klarsten und größten Exemplare des Calcits stammen aus der Helgustadir-Mine in Island. William Nicol (1770-1851) erfand das erste polarisierende Prisma unter Verwendung des isländischen Holms, um sein Nicol-Prisma herzustellen. Interessant - Was man hier so alles entdeckt!
Aber unsere Tagestour musste weitergehen. Denn sonst hätte ich ja nichts mehr zu erzählen.

Zurück durch das Dorf Eskifjördur, welches sich direkt am Fjord anschmiegt und einige beeindruckende größere Fangschiffe in ihrem Hafen liegen hatten, führte uns der Weg noch einmal zurück nach Steinasafn. Wir wollten doch unbedingt das Steinmuseum ansehen. Aber dort angekommen, stand immer noch Close an der Tür. Hätten wir doch gestern nur alles richtig uns durchgelesen. Geöffnet vom 1.Juni- 1.September!!! Winterpause also. Wir schlichen ein wenig um das Grundstück herum, und erkannten, dass man ganz gut auch von der Seite einen Einblick auf die Steinsammlung erhält. Das entschädigte wenigstens uns für den doppelten Aufwand der Anfahrt. Ich schaute mir noch das Wal-skelett vor der Haustür an, das lag da so mächtig herum.
Keine 200m weiter entdeckte ich auf einem Hügel stehend, eine schöne hellblau gedeckte Kirche, um die auch schon andere Touristen herumschlichen und Fotos machten. Irgendwas stimmte also mit dieser Kirche nicht. Sie lag so schön weiß in der Sonne und das Licht erhellte auch das Innere der vermeintlichen Kirche. Denn nur der Außenschein trügt. Innen war es ein einfaches Wohnhaus, oder Herberge sogar, in der man sich einmieten konnte. Sehr witzig.

Unsere Ringstraße Nr. 1 führte uns durch herrliche herbstlich gefärbte Wiesen und Auen. Es leuchtete so schön rot und gelb und grün von den Hängen. Und zwischendurch immer mal ein weißes Pummelchen, ein Island-Schaf, gut in seiner Wolle versteckt. Wir mussten wieder anhalten und uns an den Farben erfreuen. Und dies war ja noch nicht allen, was die Wiese zu bieten hatte. Schaute man genauer hin, waren das alles Heidelbeeren in ihrer besten Reifezeit. Händevoll naschten wir die süßen schwarzblauen Früchte aus den Hängen. Kleine Vitaminbombe nebenbei.
Zum letzten Mal fuhren wir nun durch den 6km langen Tunnel. Ab da ging dann unsere Tagestour auf neuen Wegen in Richtung Seydisfjördur. In der Hochebene hatten wir den ersten Kontakt mit Schnee wurden wir schon ein wenig vorsichtiger mit unserem Fahrstil. Noch lag er wohlsortiert und von der Hauptstraße geräumt am Rand. Eine steile Pass-Straße schlängelte sich von 588m lange den Berg hinunter. Der gleichnamige Fjord besitzt einen der besten Naturhäfen von Island und ist Anlaufhafen für die Norröna, der einzigen Autofähre, die Island mit dem Festland verbindet. Die Fähre konnten wir schon von weitem sehen.

Wir suchten uns mitten in dem kleinen Ort einen Parkplatz und spazierten ein wenig durch den Ort. Frisch gestalteter bunter Fußweg zog magische junge Leute an, um sich darauf zu fotografieren. Kleine Cafés und Restaurants hatten geöffnet und in der wärmenden Sonne saßen Touristen draußen auf den Bänken und gönnten sich eine Tasse Kaffee.
In etwa 2km Entfernung gab es ein Kunstwerk, die Klangkulisse, zu bestaunen, was wir unbedingt sehen wollten. Tvisöngur, auch der isländische Zwiegesang ist eine besondere Form der Gesangsform, die auf improvisierter Mehrstimmigkeit und einer Stimmführung beruht. Der deutsche Künstler Lukas Kühne erschaffte ein Kunstprojekt, das aus 5 miteinander verbundenen Kuppeln aus Beton in unterschiedlicher Höhe besteht und die 5-töne Harmonie darstellen soll. Also ich da geträllert und konnte nichts Besonderes da heraushören. Sorry, aber die grauen Betonkuppeln mitten auf der Wiese sehen fast aus wie … Bunker.

16:50 Uhr. Nun aber wieder hoch den Pass und weiter. Aber so richtig schien mir Mike noch nicht ausgepowert zu sein, denn an einem Parkplatz, wo ein schöner Wasserfall sein Wasser fallen ließ, hielten wir noch mal an und vertraten uns die Beine bis zum Sonnenuntergang.

18:15 Uhr verschwand sie im schönsten Abendrot und es wurde auch sofort merklich kühler. Wir hatten noch ca. 25km bis zur nächsten Unterkunft zu fahren, das sollte für heute Abend kein Problem mehr darstellen. Dachten wir!

Die gut ausgebaute Nr. 1 bog von unserer Route ab und die letzten 17 km ging es dann auf der 917 weiter. Auf Schotterweg! Es wurde nun bald richtig dunkel und auf diesem Feldweg gab es keine Beleuchtung oder sonst irgendeinen Hinweis. Nur die weiß-gelben Randmarkierungen standen still da und reflektierten unser Fernlicht, was uns den Fernweg zeigte, den wir noch vor uns hatten. Kaum mit 40 km/h vorrankommend, krochen wir die Piste lang. Wurden überholt von den dicken Jeeps mit ihren dicken Reifen. Ja die können da ohne Probleme solche Pisten langfahren, aber nicht wir, die nur dünne Reifchen drauf hatten. Inzwischen war es dunkel geworden und wir orientierten uns nur noch an dem Fernlichtschein des Autos. Zu unserer Linken leuchteten in der Ferne einsam eine Reihe Lampen im Nirgendwo. Das musste es sein, denn hier gab es Kilometerweit kein weiteres Haus. Die Einsamkeit ruft!
20:30 Uhr erreichten wir dann den festlich beleuchteten Hof und wurden auch schon vom Wirt empfangen, der uns gleich unser Zimmer bzw. unsere Hütte zeigte. Nr. 8 war das letzte rotbraune Haus in der Reihe, welches wir gleichbezogen. Es roch alles noch nach frisch renoviert oder ganz neu. Modern war das Zimmer eingerichtet und zwei dicke Einzelbetten standen im kühlen Raum.
Auf dem Hof standen noch mehrere Jeeps mit einer umfangreichen Angelausrüstung auf dem Dach. Da kamen wir mit unserem kleinen Hyundai völlig mickrig vor. Oh, wohin sind wir denn da hingeraten? Ein Anglerverein? Die Unterkunft heißt nicht umsonst Fisherman-Logde in Halsakot.

Im großen Holzhaus brannte Licht und ein Stimmengewirr drang heraus. Wir wagten uns hinein. Ein großer Kamin brannte schön warm im Gemeinschaftszimmer, im TV lief ein Fußballspiel (Manchester United gegen Spanien; 2:1) und in der Küche wurde für ein großes Essen gekocht. Die lange Tafel war festlich gedeckt. Hier trafen sich 10 Angler zum „Abfischen“. Auch wir bekamen ein Bier in die Hand und wurden in die weichen Polster der Ledergarnitur hineingedrückt. Die Innenausstattung verriet uns natürlich, dass wir es hier mit eingefleischten Anglern zu tun hatten, die auf isländischen Lachse aus waren. Einige große Exemplare hingen an der Wand. Beeindruckend war der Zahn(?) vorne am Maul am Unterkiefer des Fisches.
Wir mussten warten, bis die Küchenarbeit erledigt war und das konnte noch eine Stunde dauern. Mir war das zu lange, noch weiter in den Klamotten zu bleiben, die ich den ganzen Tag schon anhatte. Außerdem glühte ich fast vor dem Kamin. Ich ging auf unser Zimmer und zog mich erst einmal um.

30 Minuten später konnte ich in die Küche uns etwas schnell kochen. Etwas Reise mit Bohnen und Tomatensoße. Hatten wir schon mal und hatte sich als Magenfüller bewährt.
Aber unsere eigentliche Absicht, so eine weite Unterkunft gebucht zu haben, lag darin, dass wir einen Ort suchten, wo wir eventuell die Nordlichter noch einmal ohne Stadtlicht besser fotografieren könnten. Und dies gelang uns an diesem Abend grandios. Selbst mit bloßem Auge konnten wir die Lichtspiele am Himmel beobachten und Mike hielt alles mit der Kamera beeindruckend fest.
Todmüde fielen wir dann in die Betten. Etwas kühl war die Unterkunft. Der Wind pfiff aber auch um die Ecken. Also Decke über die Ohren gezogen und umgedreht. Gute Nacht.

 

 

13. Tag  -  Donnerstag, 30.09.2021   -  

 

 







(Film)











































(Film)









 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Motto: „Wenn dir das Wetter zu schlecht ist, dann warte 5 Minuten!“

Am nächsten Morgen frühstückten wir im Gemeinschaftsraum. Die meisten Angler waren auch schon munter und aßen belegte Toasts und tranken Kaffee. Ich glaube, hier hatten welche noch einen dicken Kopf vom Abend. Einige hochprozentige Flaschen gingen dort die Runde.

Wie gewohnt packten wir unsere sieben Sachen und fuhren los. Heute sollte es eine Küstenfahrt werde, laut Karte. Die Huckelpiste führte nach Norden, direkt zum Meer.

 

 

 Wir sahen sogar einige Autos am Rand stehen, die sich fertig gemacht hatten zum Angeln. Sie schauten uns irgendwie fragend nach. Dann eine steile Serpentinstraße, die immer steiler nach oben den Berg hinaufverlief. Ein herrliches Panorama bot sich an der höchste Stelle. Bei 665m! Hier oben pfiff gehörig ein anderer Wind und … es gab viel Schnee und Eis auf der Schotter-Straße, die uns die Weiterfahrt einfach unmöglich machte.

10:15 Uhr. Wir mussten unfreiwillig umkehren, um nichts zu riskieren. Die Erste Niederlage an diesem Tag. Bei den Anglern wieder vorbei, die, so glaube ich ganz froh waren, uns heile wieder zu sehen. 17 km Umweg über die Schotterpiste 917 wieder zurück. Diesmal ein etwas forscherer Tritt ans Gaspedal. Mit 60km/h fuhr erstaunlicherweise das Auto besser über die unbefestigte Straße als gestern Nacht. Das brachte uns auch etwas schneller auf die Ringstraße Nr.1, wo die Straße super geräumt war. Hier fahren ja schließlich auch all die Touristenbusse lang, da muss die Straße ok sein.

Doch wir hatten ja schon unsere Unterkunft an der nördlichsten Spitze Islands in Raufarhöfn für diese Nacht gebucht. Also irgendwie mussten wir nun dahin gelangen. Das Navy zeigte uns den Weg. Noch 125km!

Die Straße Nr. 964 sollten wir als nächste Abfahrt nutzen. Viel verharschter Schnee und Eis lag auf der Straße von den letzten Tagen. Es wurde nicht geräumt, trotz dass viele Autos hier lang fuhren. Wir fuhren in den freigelegten Rillen auf der asphaltierten schwarzen Straßendecke, wo das Eis schon von der Sonne aufgetaut war. Und trotzdem wurde die Fahrt abrupt an einer Kreuzung wieder unterbrochen. 3-4 Autos standen da und blockierten unsere Weiterfahrt. Denn einige andere Autofahrer hatten die Witterung völlig unterschätzt. An eine Straßengabelung war ein kleines Auto in den Schnee-Graben gerutscht und mir gleich das Herz in die Hose. Viele helfende junge Leute kämpfen nun, das kleine Auto wieder aus der Kuhle zu holen. Einige Versuche schlugen schon fehl. Es rutschte immer wieder auf der Wiese weg. Und wir drehten uns weg, in dem wir wieder einmal umdrehten und nach eine anderen Fahrlösung suchten.

Nächster Hinweis zum Fahren bot uns das Navy mit der Straße Nr. 862 an. Diese führte direkt zu einem Wasserfall, dem Dettzifoss- Wasserfall. Nach zwanzig Minuten Schnee- und Talfahrt war mir ganz schlecht. Diese Witterungsbedingung war für mich nichts. Mike fuhr mit Aufbringung aller Fahrkünste die Strecke lang. Er wollte unbedingt heute unsere Unterkunft erreichen. Ich hätte schon längst die Flinte ins Korn geworfen und war bei jeder Kurve so angespannt, das ich fast den Türgriff verformt hätte. Ja, ich hatte richtig Angst, dass wir auch im Graben landen. Denn, das Auto hatte Sommerreifen und so gut wie kein Profil! Danke Island, das du uns so ein Auto zur Verfügung gestellt hast. Ich war ein wenig wütend auf den Auto Vermieter. Unverantwortlich. Ich wollte zwar immer umdrehen, aber Mike schaffte es durchs Eis zu fahren.

Wir erreichten den Parkplatz mit Müh und Not und schauten uns natürlich den echt coolen Wasserfall auch erstmal an. Dick eingemummelt zogen wir los. Eine schöne Winterwanderung auf dem verharschten Schnee zum Wasserfall im halben Sonnenschein ließ für ein paar Minuten die Angst vergessen. Es war ein überwältigender Anblick auf die riesige Stufe im Flussverlauf. An der Fallkante fiel das Wasser mindestens 44m in die Tiefe. Auf eine Breite von 100m eine ungeheure Menge Wasser, die da in die Tiefe stürzt. Die aufgewirbelte Gischtwolke verbreitete seine Feuchte auf dem Weg. Rutschgefahr! Viele Touristen waren trotz des etwas nebeligen Wetter heute hier, um sich diesem Naturschauspiel anzusehen. Kleiner Tröpfchen waren ständig auf unseren Kameras, trotzdem gelang es uns noch einige beeindruckende Bilder einzufangen. Das Gefühl kann man aber nicht beschreiben, welches einem hier durch den Bauch geht, wenn man knapp an der Kante steht und in die dampfende Schlucht schaut. Spuren in den verharschten Schnee wiesen uns den Weg. Manchmal konnte ich mich an einem Geländer oder Seil festhalten, ansonsten war auch das hier eine richtige Rutschparty. Eine Gruppe Japaner/Chinesen? wurden wohl eben aus ihrem Bus herausgeworfen und zum Wasserfall geführt. Sie rückten keinen Zentimeter, wenn man an ihnen sicher vorbei wollte. Und ihrem Mundschutz mussten sie erst mal rücken, wenn andere Menschen an ihnen vorbei wollten. Ein Theater immer noch!

Wir stapften durch den abgegrenzten Weg zurück zum Parkplatz und wappneten uns zur nächsten Fahrtrunde. Die steile Straße vor dem Parkplatz wurde nun unsere nächste Herausforderung schlecht hin. Wir rollten gemächlich in die Kurve. Der Schnee und das Eis hatten sich in der letzten Stunde irgendwie zu einer schmierigen Matsche vereint. Unser erster Startversuch endete mit durchdrehen und wegrutschen und stillstand mitten auf der Straße am Hang. Zum Glück kam uns kein Auto gerade entgegen. Ich krallte mich krampfhaft am Griff des Autos fest und hielt mir mit der anderen Hand den Mund, um nicht loszuschreien. Panik! Keine Chance, hier herauszukommen ohne Schwung. Schaulustige sahen sich unsere Rutschparty vom Parkplatz an. Kurzentschlossen kehrte Mike noch einmal um, nutzte ein Stück leere eisfreie Straße und gab ordentlich Gas und Schwung und schaffte es dann mit einem Zug den vereisten Straßenhang hinauf. Ich saß wie eine angespannte Feder im Auto. Denn viel dazutun konnte ich nicht. An der nächsten Kreuzung dann die Entscheidung des Tages. Entweder zu unserer Unterkunft weiter oder zurück zur schneefreien Nr. 1.

Mike entschied. Der Blinker klickte und … es ging weiter zur Unterkunft. Ich krampfte gleich mal weiter die nächsten Kilometer, die immer noch von Schnee und Eis uns begleiteten. Ich stierte ständig auf die Fahrbahn, als ob damit der Schnee wegginge. Auch Mike hielt mit dem Lenkrad tapfer das Auto in der Spur.
Nach 7km war der Eisspuck vorbei. Wir gelangten immer mehr ins tiefe Tal und der Schnee nahm ab und die Wiesen wurden wieder grüner und nicht mehr mein Gesicht.
Diese Fahrt werde ich wohl mein Lebtag nicht vergessen, aber dank Mikes Willen, konnten wir nun doch noch unser Reiseziel des Tages glücklich erreichen.
Raufarhöfn: Der nördlichste Ort Islands direkt am Meer. Knapp unter dem Polarkreis- ca. 3km fehlen noch. Jede Postkarte oder Prospekte zeigten beeindruckend den Steinkreis Arctic Henge. 2006 begann Erlingur Thorodsson ein ehrgeiziges Projekt, ein arktisches Stonehenge zu errichten. Ein zentraler 11m hoher Steinbogen und vier 10m hohe Tore hat er schon erschaffen aus massiven Steinblöcken aufgeschichtet, in einem 50m breiten Radius in jede Himmelsrichtung angeordnet. Ein gewaltiges Bauwerk. Leider ist der Künstler 2015 verstorben, nun führen die Bewohner des Ortes sein Werk weiter. Eine kreisförmige große Steinmauer soll noch errichtet werden und einzelne Steine im Innenkreis stehen. Die Idee zu dem Polarsonnenkreis entstand aus der Überlegung heraus, sich die unendliche Weite an einem Ort zunutze zu machen, an dem ringherum nichts den Horizont und die Mitternachtssonne beeinträchtigt. Hinzu kam der Gedanke, die Zwergen Erzählung aus dem Edda Gedicht Völuspa einzubeziehen, die alte Sagenwelt etwas zu entstauben und unseren modernen Zeiten näherzubringen. Der Sage nach sollen die 4 Zwerge Austri, Vestri, Nordi und Sudri hier als die 4 Tore das Himmelsgewölbe hochhalten.
Ich war so glücklich, als wir in unserer Unterkunft ankamen und gleich zu dem Steinkreis gefahren sind, der unweit davon in Sichtweite auf dem Hügel sich befindet. Die ersten Fotos entstanden, da wir nicht einschätzen konnten, wie das Wetter in den nächsten 5 Minuten wird! Leider waren unserer Ansicht nach zu viele Wolken noch am Himmel. Es sah eher nach Regen aus. Kein gutes Zeichen für die Nordlichter.
Dann fuhren wir noch in Richtung Leuchtturm an den Strand und liesen unsere angespannten Nerven ein wenig baumeln. Seetang waren hier in Unmengen angespült wurden, ebenso viel Treibholz und anderen Unrat. Wir schlenderten einfach mal ein paar Minuten, um wieder einen klaren Kopf von der anstrengenden Anreise zu bekommen. Ein kräftiger Wind blies vom Meer. Der Meereshub hier liegt bei ca. 1-1,5m. Also verschwindet das Wasser hier nie ganz, sondern es zieht sich nur ein wenig zurück.
Sonnenuntergang-Zeit. Wir fuhren langsam die 5km wieder zurück in den Ort. Der Sonnenuntergang nahm dramatische Farben an. Ein herrliches Abendrot bot sich uns plötzlich. Tiefes leuchtendes Rot am Horizont, genau über dem Steinkreis. Wir schauten uns an und dachten in dem Moment wohl das gleiche. Mike gab Gas. Ab zum Steinkreis, diese Möglichkeit kommt nicht so schnell wieder. Ich rannte, so gut ich konnte den weiten Aufgang nach oben zum Steinkreis und wurde belohnt mit herrlichen Sonnenuntergangs-fotos mit den Steinen im Vordergrund.
Zurück in der Unterkunft bereiteten wir uns erst mal ein kleines Abendbrot, kochten heißen Tee und aßen leckeren Jogurt. Dann wollten wir bis um 21:00 Uhr warten, ob nicht doch vielleicht ein kleines Nordlicht sich blicken lässt.
Ich bereitete mich gerade vor, an meinem Reisebuch etwas zu schreiben, schaute aber noch mal aus dem Fenster und staunte nicht schlecht. Ein herrlicher dunkelorangener sichelförmiger Mond stand flach am Horizont und darüber zeichneten sich die ersten Schleier eines Nordlichtes ab.
Sofort ließ ich alles fallen und forderte Mike auf, sofort noch mal dahin zu fahren, denn ich glaube, die Chancen waren nicht schlecht, ein schönes Naturschauspiel heute Abend noch einzufangen.
Wir schnappten Stativ und Regenjacken gegen den kalten Wind auf dem Hügel und stapften los. Ohne mal an eine Taschenlampe in der Eile zu denken. Erst, als wir den stockdunklen Weg betreten wollten, merkten wir unseren Fehler. Zum Glück waren wir heute schon zweimal hier, deshalb viel uns das vortasten auf dem dunkleren Weg nicht schwer.
Oben gleich das Stativ und die Kamera postiert und wir kamen nicht aus dem stauen heraus. Als ob jemand nur für uns jetzt eine Stunde das schönste Nordlicht schickte und wir den aufgehenden Mond mit in Szene gesetzt, die schönsten Aufnahmen machen konnten. Wir konzentrierten uns nur auf Mikes Kamera, denn der Wind war launisch und wehte stark und rüttelte ständig am Stativ herum.

Wir konnten uns gar nicht satt sehen an dem schönen mystischen Anblick, den wir hier heute ganz allein genesen konnten. Der Mond schaute unter dem einen Torbogen orange hervor und darüber glimmerte ein grüner Schleier vom Nordlicht. Als ob wir den Torbogen ein kleines Feuer gelegt hätten. Phantastisches Bildermotiv.
Dann … Batterie alle! Was für ein Ärger, sie lagen noch im Auto auf dem Parkplatz. Ich hielt die Kamera im Wind fest und Mike holte noch eine. Zurückkommend, erzählte er, dass er in den Graben gefallen sei, weil es so arg dunkel war.

Dann blickten wir noch 10 Minuten in den Himmel, denn da waren alle Lichter weg. Wir brachen unser Foto Sechen ab und liefen noch einmal in der stockdunklen Nacht durch den Kreis. Und da passierte es, vor dem ich die ganzen Wochen ein wenig Angst hatte. Ich sah nicht wo ich hintrat. Trotz das mich Mike an der Hand hielt, zog es mir den Fuß weg, strauchelte und stürzte ich glattweg hin. Erst aufs Knie, dann rolle ich mich gleich galant auf die Seite und hielt meine Kamera rettend nach oben. Nichts passiert-gott sei Dank. Eine kleine Schramme am Knie, die nicht weiter schlimm war.

Verrückt oder? Am gleichen Ort fallen wir beide zum ersten Mal fast gleichzeitig hin. Naja, bitte kein Aberglaube heute mehr.
Wir waren fix und fertig von dem langen Tag und der langen Nacht.